Der Stummfilm beginnt mit einem Abschied. Der Sarg des Gondelschaffners wird oben am Berg in die Gondel geladen, welche diesen ins Tal hinunter transportiert. Dabei verabschieden sich die jeweiligen Bewohner*innen auf ihre Weise von ihm. Die nostalgisch anmutende Gondel mit ihrer roten Farbe knarrt und ächzt leise und schwankt ein wenig im Wind. Die Gondel fährt über Obstwiesen und Bauernhöfe, bevor sie die unten gelegene Stadt erreicht.
Doch der Abschied bildet auch gleichzeitig einen Anfang. Eine junge Frau kommt in der Stadt irgendwo in den georgischen Bergen an und da ihr als Einzige der drei Bewerbenden die Uniform des verstorbenen Schaffners passt, wird sie kurzerhand eingestellt. Ihre Kollegin sieht sie dabei meistens nur kurz im Vorüberfahren der beiden Gondeln, die sich auf der Mitte der Strecke einmal treffen. Bald entsteht ein Spiel, das mit einer Schachpartie beginnt und bald zu dem Verkleiden der Gondeln und gemeinsamen Musizieren führt. Alles könnte so wunderschön sein, wenn bloß nicht der schwierige und unangenehme Besitzer der Gondelfahrt nicht wäre…
Die Filmmusik ist wunderschön, sie hat etwas Leichtes und Fröhliches, gleichzeitig aber auch irgendwie Schwermütiges. Sie unterstreicht die Handlung sehr gut, die zwar viele kleine schöne Momente porträtiert, aber auch vor traurigen Augenblicken nicht zurückschreckt. Es ist dabei der Alltag der beiden Gondelschaffnerinnen, dem diese etwas Magisches verleihen. Meistens sind es dieselben Menschen, welche die Gondel als Transportmittel nutzen, doch die beiden schaffen es, zu diesen eine nachbarschaftliche Beziehung aufzubauen, die dem Film ein Stück seiner Wärme verleiht. Es gibt einfach sehr viele wohltuende zwischenmenschliche Momente.
Die Liebesgeschichte bahnt sich langsam an und wird sehr behutsam erzählt. Die beiden Frauen kommen sich immer näher und finden dabei immer mehr Gemeinsamkeiten. Dabei findet die Handlung fast ausschließlich um die Gondeln herum statt. Sie machen gemeinsam Pause und verstecken kleine Überraschungen im Spind der jeweils Anderen. Die Bilder, die ihre Geschichte erzählen, sind dabei unheimlich schön. Satte, leuchtende Farben zeigen die Gondeln vor grünen Bergen, an denen Granatäpfel wachsen und deren Bergdörfer nachts in der Dunkelheit mit winzigen Fenstern voller Licht glühen.
Es ist kein Film, wo man gebannt die Handlung verfolgt, sondern eher ein leiser, ruhiger Film, der auf sehr zurückhaltende Art über Beziehungen erzählt. Da es sich um einen Stummfilm handelt, wird die Mimik und Gestik manchmal etwas übertrieben, um deutlich zu machen, worum es in der jeweiligen Szene geht. Doch man gewöhnt sich sehr schnell daran und nach dem Schauen fehlen einem die Gespräche nicht. Obwohl es keine Worte gibt, wird sehr viel gesagt in dem Film.
Dabei tuen sich im Film zwischen den Figuren auch Konflikte auf, die ebenfalls beleuchtet werden. Doch diese werden nie in der Tiefe auserzählt, hier schlägt der Film insgesamt eher einen heiteren, leichten Ton an. Das einzige, was ein bisschen schade ist, ist das Ende. Hier wird ein wenig übertrieben und es passt nicht so ganz zu dem Rest des Films. Doch abgesehen davon ist es ein wunderschöner Wohlfühlfilm, der nach dem Kino noch eine Weile nachklingt und einen voller Vorfreude auf den Sommer zurücklässt, von dem er erzählt.