Der Fluss hat etwas Unheimliches, wie er im Nebel dahinfließt und das dunkle Wasser undurchdringlich bleibt. An seinem Ufer wird auch die erste Leiche gefunden, die einige Rätsel aufwirft. Der Polizist Ma Zhe übernimmt die Ermittlungen und bald ist eine erste Spur gefunden. Doch Ma Zhe hat es im Gefühl, dass hier etwas nicht ganz stimmt und taucht tiefer in den Fall hinein.
Dabei regnet es unheimlich viel. Durch die Regenschlieren verschwindet fast alles in einem grauen Schimmer. Er tropft unablässig auf die alten Dachziegel, die gewundenen Straßen und die winterliche Landschaft herunter und läuft in sich stetig ändernden Formationen die Fensterscheiben hinab. Die Kamera lässt sich viel Zeit, das alles in Ruhe einzufangen und verharrt teilweise in Standbildern, die eine düstere, bedrückende, aber auch irgendwie melancholische Atmosphäre evozieren. Dazu passt der Polizist mit seinen privaten Problemen, der immer wieder an seiner Zigarette zieht und poetische Rauchgebilde in der Luft hinterlässt.
Die Erzählung wird 1995 im ländlichen China angesiedelt und durch die gewählte Zeitebene hat er etwas Analoges. Gerade bei der Ermittlungsarbeit wird das sehr deutlich: Ein entscheidender Hinweis wird auf einer altmodischen Kassette gefunden, die natürlich gedreht werden muss. Auch die Art der Bilder selbst hat etwas Nostalgisches, der Film fühlt sich an wie aus einer vergangenen Zeit.
Gerade diese Stimmung im Film macht diesen sehr sehenswert. Alle Figuren haben ihre Geheimnisse und nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Allerdings ist es kein Krimi im klassischen Sinne, die Handlung gleitet bald ins Poetische und Surreale ab. Am Ende ist es schwer, zu entscheiden, was da gerade noch Wirklichkeit im Film ist.
Das wiederum sorgt jedoch auch für ein wenig Verwirrung. Es ist ein Film, wo man hinterher darüber nachdenkt, ob man dem Gezeigten jetzt so vertraut und wie es wohl wirklich gewesen ist. Es passt zu der traumartigen Erzählweise, die immer wieder auch Sequenzen überspringt oder Rückblenden einbaut. Doch an manchen Stellen wünscht man sich, dass die Erzählung expliziter andeuten würde, worauf sie hinauswill. Außerdem sind manche Figuren doch etwas stark klischeeartig dargestellt und auch der Mörder erfüllt ein Trope, welches problematisch ist. Am Ende ist es der im Film so bezeichnete „Verrückte“, der die Morde begangen hat.
Hingegen sehr gut gelungen ist eine weitere Hauptfigur, welche die Handlung stets stumm begleitet: der Fluss. Nicht nur metaphorisch fischen die Polizisten dort im Trüben, als sie ihn nach Beweismitteln durchsuchen oder die Menschen an dessen Ufer beobachten und befragen.
Insgesamt ist es ein schöner Film, dessen Spannung bald nicht mehr in der Suche nach dem Mörder, sondern in dem Polizisten und dem Abgrund, welcher sich unter diesem auftut, liegt. Zu Beginn des Films wird ein altes Kino in ein Polizeirevier umgewandelt, welches metaphorisch die Handlung vorwegnimmt. Wie in einem Film sezieren die Polizisten die Leben der dort lebenden Menschen, während sie wie im Kinosessel selbst stets auf Distanz bleiben. Doch dann vermischen sich im Fall von Ma Zhe seine äußere Suche nach einem Mörder und die damit einhergehende zunehmende Besessenheit mit inneren Themen und die Wirklichkeit wird brüchig. Es sind wunderschöne, dunkle Bilder, die der Film malt, und allein dafür ist er auf jeden Fall einen Besuch wert!