Mitten in der Nacht wird Mahito durch Panik und Aufruhr geweckt, als die Neuigkeit die Runde macht, dass das Krankenhaus getroffen wurde. Er befindet sich in Tokio zur Zeit des Pazifikkrieges und ein Luftangriff versetzt die Menschen darin zu Filmbeginn in Angst und Schrecken. Auf den Straßen herrscht ein einziges Durcheinander, während Mahito zusammen mit seinem Vater zum Krankenhaus rennt, in dem sich eigentlich seine Mutter befindet. Doch sie kommen zu spät. Die Flammen schlagen dem Himmel entgegen und eine Rettung aus dem Feuer ist nicht mehr möglich.
Danach versinkt Mahito in tiefer Trauer. Apathisch kommt er mit, als sein Vater zu der jüngeren Schwester seiner Mutter aufs Land zieht. Wie mechanisch erkundet er die neue Umgebung, ohne wirklich daran interessiert zu sein. In der Schule kommt er mit den Mitschülern nicht zurecht. Doch dann taucht ein mysteriöser Graureiher auf, der Mahito jäh aus seiner Teilnahmslosigkeit reißt. Er folgt diesem letztendlich in einen geheimnisvollen Turm, wo ihn eine andere Welt erwartet, in der seine Mutter noch am Leben ist. Doch auch in dieser anderen Welt ist nicht alles so friedlich, wie es zunächst scheint.
Der Film hat viele Elemente, die einen großartigen Film ausmachen würden: eine sehr emotionale und berührende Filmmusik, ein persönliches Thema, eine poetische Erzählung, Metaphern über das Leben, wunderschön gezeichnete Bilder und spannende Figuren mit ihren unterschiedlichen Hintergrundgeschichten. Dennoch wirkt alles in der Zusammenfügung stellenweise nicht harmonisch, während des Films entstehen Längen, in denen die Handlung daher mäandert, und die Gefühle irgendwie trotzdem nicht herüberkommen. Es ist ein Film, der eigentlich alles hat, um ihn sehr zu mögen, aber bei dem es trotzdem nicht so ganz gelingt.
Es ist ohne Frage ein sehr gelungener Film! Doch in manchen Aspekten wollte er vielleicht ein bisschen zu viel und hier ist es dann zu kleinen Dissonanzen in der ansonsten sehr geschickt verwobenen Geschichte gekommen. Etwa wirkt die Darstellung der Sittiche am Ende des Films überzogen. Es wird hier eine bedrohliche Kulisse aufgebaut, was allerdings ein wenig daran scheitert, dass diese recht schnell als einfach zu überlistende Antagonisten charakterisiert werden und es praktischerweise immer wieder einen Deus ex Machina-Moment gibt. Ihre eigentliche Absicht und ihre jeweilige Geschichte bleibt im Verborgenen, sie funktionieren nur in geeigneten Momenten als gutes Hindernis für den Protagonisten.
Natürlich kommen in dem Film auch viele Elemente vor, die an andere Ghibli-Filme erinnern. An sich entsteht so eine nostalgische Verbundenheit, jedoch geht hierdurch auch ein Stück Originalität verloren, da man diverse Dinge so einfach schon einmal gesehen hat.
Der Umgang mit Trauer wird sehr empathisch und realistisch porträtiert. Die verschiedenen Phasen der Trauer, die Mahito durchläuft, und die sich nicht linear abwechseln, werden mit sehr viel Mitgefühl gezeigt. Seine tiefe innere Zerrissenheit und all das Chaos in ihm werden durch das zunehmende Durcheinander und ebenso düstere Themen in der Außenwelt gespiegelt. Als Zuschauende*r kann man seinen Schmerz deutlich spüren.
Andererseits handelt es sich um einen in Bezug auf die Figuren sehr grauen Film. Eine Botschaft des Films ist die Wichtigkeit der gegenseitigen Wertschätzung und dass alle eine Hintergrundgeschichte haben, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Ein Pelikan, der zunächst als Feind in Erscheinung getreten ist, hat einen sehr berührenden Moment, in dem ihm Mahito Respekt und Mitmenschlichkeit erweist und der Pelikan seine Perspektive teilt, die ganz anders aussieht als das Bild, das zuvor von ihm im Film gemalt wurde.
Es ist ein Film, in dem man ein bisschen der Realität entfliehen kann, dann jedoch schnell merkt, dass die Realität nicht so einfach abzuschütteln ist und auch in eine Welt der Fantasie hinein träufelt. Der Film ist auf jeden Fall sehenswert und vor allem die wunderschönen Bilder mit der berührenden Filmmusik hallen noch eine ganze Weile nach.