Bei der Aufmachung des Trailers könnte man denken, dass es gar kein neuer Film ist, der hier beworben werden soll, sondern ein alter Filmklassiker aus dem Ende des vergangenen Jahrhunderts, der für die Weihnachtstage noch einmal im Kino gezeigt wird. Die Handlung spielt während der Weihnachtsferien 1970 an der Barton Academy, ein Internat für Jungen irgendwo in Neuengland. Die meisten Bewohner*innen machen sich auf den Weg zu ihren Lieben, nur eine Handvoll verbleibt über die Feiertage im Internat. Dort wird in den Haupträumen die Heizung ausgestellt, sodass die fünf Schüler im Krankenflügel kampieren. Zu essen gibt es nur noch, was sich noch in den Tiefkühltruhen befindet. Und der bunt dekorierte Baum wurde auch bereits wieder aus der Schule getragen. Kurzum, die Stimmung ist nicht besonders festlich.
Aufsicht über die fünf verbliebenen Schüler führt der Lehrer der alten Sprachen Paul Hunham, genannt „Glubschauge“ wegen seines Schielens, der über die Jahre verbittert ist und keinen besonders guten Ruf unter den Schülern genießt. Er ordnet Joggen im Schnee als Ertüchtigung an, besteht auf das Lernen für das kommende Semester während der Ferien und hält von Ausschlafen nicht besonders viel. Zum Glück überlegt es sich der Vater eines der Schüler doch noch anders und holt seinen Sohn mit dem Helikopter für einen Ski-Urlaub ab. Während die Eltern der anderen Verbliebenen dem Trip ebenfalls zustimmen, gelingt es Paul nicht, die Mutter von Angus ans Telefon zu bekommen. So muss er als Einziger in der Schule bleiben, in der Gesellschaft von Paul und Mary Lamb, der Köchin.
Alle drei sind auf ihre Weise einsam, während sie da im verlassenen Speisesaal ein wenig verloren vor dem Weihnachtsessen sitzen. Mary hat gerade ihren einzigen Sohn, ein ehemaliger Schüler der Barton Academy, in Vietnam verloren. Paul versinkt völlig in den von ihm geliebten alten Sprachen und Jim Beam. Und Angus ist wütend darüber, von seiner Mutter wieder einmal enttäuscht worden zu sein und über die Feiertage aufs Abstellgleis geschoben zu werden. Doch wie es sich für einen Wohlfühlfilm gehört, nähern sich alle drei doch noch einander an und erleben ein Weihnachten, was ihnen allen am Ende Trost spendet und sie für die wenigen Tage zu mehr als einer reinen Zweckgemeinschaft werden lässt.
Natürlich haben alle Figuren auch noch ihre Hintergrundgeschichten und Geheimnisse, die über den Film hinweg entschlüsselt werden. Dennoch ist von Anfang an klar, in welche Richtung es geht und welche Wendungen die Zusehenden grob erwarten. Auch die Figuren selbst fallen in gewisse Klischees: der rebellische Schüler, der in Wirklichkeit viel verletzlicher ist, als er sich zeigt. Der distanzierte und schwierige Lehrer, der im Kern doch ein guter Mensch ist. Und die wohlmeinende Köchin, die beiden in Schlüsselmomenten einen Schubs in die richtige Richtung gibt.
Allerdings ist die Ausgestaltung dieser Geschichte, die man an sich schon in anderen Filmen gesehen hat, so gut gemacht, dass es sich eben nicht so anfühlt, als ob man genau das schon tausend Mal gesehen hätte. Die Dialoge fließen originell und schnell dahin, die Atmosphäre ist durch eine gewisse Melancholie, aber niemals durch Hoffnungslosigkeit, gekennzeichnet, und die Entwicklungen der Figuren sind sehr überzeugend dargestellt. Auch die Musik passt gut zur Handlung, man fühlt sich in eine vergangene Zeit hineinversetzt, als es noch Schreibmaschinen gab und Telefone, die an der Wand hingen. Draußen liegt matschiger Schnee und es ist kalt, die Winterzeit wird kein bisschen romantisiert während des Films.
Trotzdem ist da die menschliche Wärme, die sich immer wieder in kleinen Momenten zeigt. Der Film erinnert an Filme wie „Der Club der toten Dichter“, gerade auch durch die Ästhetik und visuelle Gestaltung. Es gibt immer wieder sehr wohltuende Momente im Film, auch wenn es ebenso um die harten Realitäten des Lebens geht. Dieses ist gemäß den Worten von Paul „für die meisten Menschen wie eine Hühnerleiter, kurz und beschissen“. Am Ende hat sich nichts Grundsätzliches geändert, doch die drei in der Schule Verbliebenen haben ein paar Dinge von- und übereinander gelernt und wissen ein bisschen genauer, welche Pfade sie als Nächstes einschlagen wollen.
Es ist ein sehr schöner Film, der perfekt in die Weihnachtszeit hineinpasst, und das Rad zwar nicht neu erfindet, aber einfach eine sehr gut erzählte Geschichte mit authentischen und sehr menschlichen Protagonist*innen zeigt.