Draußen regnet es in Strömen und der Dezember ist auch schon fast wieder vorbei. Damit ist jetzt zwischen den Jahren der perfekte Zeitpunkt, um noch einmal die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. Ich ziehe dabei alle Filme in Betracht, die ich dieses Jahr im Kino gesehen habe. Die Reihenfolge richtet sich nun danach, welche der von mir geschauten Filme mich persönlich im Kinojahr 2023 am meisten beeindruckt haben.
The Quiet Girl
Der Film ist ein bisschen wie eine warme Umarmung, er ist einfach total schön und herzerwärmend. Gleichzeitig ist er aber auch realistisch und traurig und wunderschön erzählt. Es wäre leicht gewesen, ins übertrieben Dramatische abzudriften oder die Emotionen zu sehr auszuschlachten, doch beides macht der Film eben nicht. Stattdessen entsteht eine ruhige Erzählung, die gerade dadurch, dass sie all die kleinen Momente authentisch zeigt, ohne diese filmtechnisch groß mit Bedeutung zu untermalen und in Szene zu setzen, viel gewinnt. Die Emotionen kommen sehr gut rüber und aus all den kleinen Momenten setzt sich allmählich ein Gesamtbild zusammen. Für mich persönlich war es mein Lieblingsfilm in diesem Kinojahr.
Das Lehrerzimmer
Eigentlich möchte sie ja nur Gerechtigkeit, die junge Lehrerin in dem Film. Doch das, was sich dann entfaltet, ist ein moralisches Dilemma, in dem ethische Grenzen verfließen und es am Ende um viel mehr geht als die ursprünglich aufgeworfene Schuldfrage. Es ist sehr packend inszeniert, gerade weil der Hauptteil des Films in einem klar definierten Raum, nämlich der Schule, spielt. Ein Raum, an den ich mich durch meine eigene Kindheit gut zurückerinnern kann. So entsteht eine gewisse Nostalgie beim Schauen, und die gezeigte Geschichte wirkt auch nach dem Verlassen des Kinosaals noch eine ganze Weile nach.
Roter Himmel
Die sommerliche Idylle in dem Film trügt, die Waldbrände an der Ostseeküste überschatten die heile Welt des Sommerhäuschens und rücken allmählich immer näher. Eigentlich geht es aber in diesem Film über einen Sommer am Meer vielmehr um Freundschaft, sich anbahnende Liebesbeziehungen, die Suche eines Schriftstellers nach Inspiration und ein tragisches Ereignis, das alles für immer ändert. Das Ganze ist sehr atmosphärisch inszeniert, vor allem die Entwicklung der Figuren ist sehr gut dargestellt. Die Beziehungen dieser zueinander und ihre Geschichten bilden den Hauptteil des Films, während immer wieder die durch die Hitze verursachten Feuer im Hintergrund erwähnt werden. Ein sehr guter und bewegender Film!
Smoke Sauna Sisterhood
Die Dokumentation fühlt sich ein bisschen so an, als würde man einfach für zwei Stunden in einer estnischen Rauchsauna sitzen und den Frauen darin bei den Geschichten aus ihrem Leben zuhören. Der Film vermag es sehr gut, diese Atmosphäre einzufangen, in der man sich Geheimnisse anvertraut und auch Unsicherheiten ausspricht. Das alles fügt sich sehr gelungen in die Dokumentation und trotz der schweren Themen ist es kein trauriger Film, da es viel um Heilung und den Einklang mit sich selbst geht. Gleichzeitig habe ich eine Menge über estnische Rauchsaunen gelernt. Ich kann den Film nur wärmstens empfehlen!
The Year of the Dog
Ein sehr schöner Wohlfühlfilm, der aber auch die hässlichen Seiten einer Suchterkrankung einfängt. Der Protagonist möchte endlich vom Alkohol wegkommen und ein zugelaufener Husky hilft ihm dabei. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, über das Nicht-Aufgeben und über die Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens. Außerdem hat der Film ein paar wirklich schöne Landschaftsaufnahmen, die das Ganze sehr gut abrunden. Der Film zeigt dabei keine gerade Linie zum Erfolg, sondern auch all die Rückfälle und Zweifel und harten Momente zwischendurch. Ich mochte den Film sehr gerne!
All the Beauty and the Bloodshed
Die Dokumentation beleuchtet die Fotografin Nan Goldin und ihren Kampf gegen die Sackler-Familie. Es geht in dem Film um Kunst, um Erinnerungen an eine schwierige Kindheit und um die Opioid-Krise in den USA. Dabei wird die Erzählung teils sehr persönlich, genau das verleiht dem Film jedoch seine große Stärke. Und es tut gut, zu sehen, wie viel die Menschen in dem Film gemeinsam bewirken konnten, obwohl es von Anfang an ein sehr schwieriges Unterfangen war, in dem die Machtverhältnisse zu Ungunsten der Protestierenden verteilt waren. Manche Aspekte des Filmes machen aber auch einfach sehr wütend, es ist eine Dokumentation, die aufwühlt und nachwirkt.
Die Frau im Nebel
Am besten an dem Film hat mir tatsächlich das Ende gefallen, auch wenn es düster war, aber es hat so gut zu dem ganzen Film gepasst. Die Atmosphäre war den ganzen Film hindurch sehr stimmungsvoll und ein wenig melancholisch. Es geht um einen Polizisten, der an der Aufklärung eines Mordes arbeitet und dabei der Hauptverdächtigen zunehmend verfällt. Irgendwann verschwimmen dann die Grenzen zwischen dem, was richtig ist, und dem, was sein Herz ihm sagt. Ein sehr gut gemachter und spannender Film!