Schon wieder neigt sich das Jahr dem Ende entgegen, draußen kann man beim Spazierengehen den Frost in der Luft schmecken, Weihnachtsbeleuchtung verziert Balkone und Fenster und verschiedene Weihnachtstee-Sorten stapeln sich in meiner Küche. Es fühlt sich ein wenig unwirklich an, dass übermorgen bereits 2026 beginnt.
Dieses Jahr ist auf jeden Fall viel passiert. Ich habe im Herbst eine große Reise gemacht, und merke, wie die Veränderungen davon noch immer in mir nachwirken. Mir war vorher nicht klar, dass man danach nicht einfach so wieder in den Alltag zurückkommt, und dass es dauert, bis man so wirklich wieder angekommen ist. Gleichzeitig möchte ich das, was ich während meines Unterwegs-Seins gelernt habe, für mich umsetzen und nach und nach kleine Änderungen in meinen Alltag integrieren.
Für 2026 habe ich mir vorgenommen, mehr Zeit in meine Freundschaften zu investieren, am Wochenende öfter raus in die Natur zu gehen und auch wieder mehr Zeit für dieses Blog zu haben.
Heute Nachmittag habe ich all die Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe, einmal Revue passieren lassen und habe hier eine kleine Auflistung der Filme, die mich besonders berührt oder beeindruckt haben, erstellt.
Der Pinguin meines Lebens
Der Film ist ein toller Wohlfühlfilm mit sympathischen Figuren, berührenden Momenten und einem Pinguin. Auf den ersten Blick scheint es einfach eine nette Geschichte über die Freundschaft zwischen einem Lehrer und seinem Pinguin zu sein, aber während des Films zeigt sich deutlich, dass die Handlungsebene und die Gespräche sehr viel tiefer gehen. Es gibt einige traurige Momente in dem Film, aber ebenso Momente voller Hoffnung. Letztendlich ist es der Pinguin, durch den der Lehrer die Kraft findet, sich der eigenen Trauer und Vergangenheit zu stellen. Ich mochte außerdem die visuelle Gestaltung des Films mit den warmen Farben sehr, welche das historische Setting betonen, und ja, natürlich habe ich mir den Film auch wegen des Pinguins angesehen.
The Ballad of Wallis Island
In dem Film geht es um einen einsamen Lottogewinner, der sich sein Leben auf einer abgelegenen Insel eingerichtet und seinen Lieblingsmusiker für ein Konzert eingeladen hat. Das Ganze verkompliziert sich dadurch, dass besagter Musiker längst von seiner ehemaligen Partnerin getrennt und die einstige gemeinsame Band damit schon seit Jahren nur noch Geschichte ist. Auch das ist wieder ein typischer Wohlfühlfilm, und ich mochte die Kulisse unheimlich gerne: das raue Meer, die schroffe Landschaft, die einsamen Strände. Am Ende gibt es ein paar Überraschungen, auch wenn ein Großteil des Films schon ein wenig vorhersehbar ist. Aber es war einfach schön, dabei zuzusehen, wie die Figuren mit der Vergangenheit abschließen und wieder zu sich finden. Der Film war dabei nicht nur traurig, sondern oft sehr humorvoll und einfach sehr wohltuend.
Kneecap
Der Film erzählt die Entstehung einer irischen Hip-Hop-Band in Belfast und dem damit verbundenen Protest gegen die englische Sprache und Kultur. Gegen alle Widerstände machen sie ihre Musik mit irisch-gälischen Texten und erreichen damit einen Erfolg, den sie sich selbst nicht hätten träumen lassen. Gleichzeitig beschönigt der Film nichts und zeigt auch die Schattenseiten und Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert waren. Während des Films konnte man ihre künstlerische Entwicklung sehr gut nachvollziehen. Ich mochte die Kraft des Films, und die Art, wie die Geschichte erzählt wurde. Außerdem mochte ich die Figuren sehr, die anfänglich gar nicht so gut zueinander zu passen scheinen, und sich dann aber doch zusammenraufen, voneinander lernen und etwas Kreatives auf die Beine stellen.
Hundreds of Beavers
Der Film ist seltsam und abgefahren und verrückt, und er hat auch einige Schwächen. Es gibt ein paar Längen und manche Gags wiederholen sich am Ende, aber trotzdem ist es so ein Film, an den ich mich auch in ein paar Jahren noch erinnern werde. Ich weiß auch gar nicht so recht, wie ich ihn am besten beschreiben kann. Ein Mann befindet sich in einer Schneelandschaft in den Wäldern, wo es vor Bibern nur so wimmelt. Nun entspinnt sich ein harter Überlebenskampf, der sich am Ende für ihn in ein Profitgeschäft verwandelt. Hunderte von Bibern muss er erlegen, um seine große Liebe für sich zu gewinnen. Der Film ist auf jeden Fall sehenswert und stellenweise sehr witzig! Ich glaube, mein Highlight waren die Biber-Ermittler, die wie Sherlock Holmes die Tatorte der Morde untersucht haben, und die Verhandlung in der Biber-Festung, die fast schon kafkaesk angemutet hat.
Eternity
Eine Ehefrau wird nach dem Tod mit ihren beiden Ehemännern konfrontiert, und muss sich für ein Jenseits mit nur einem von beiden entscheiden. Ihre erste Liebe hat jahrzehntelang auf sie gewartet, während ihr langjähriger Mann, mit dem sie sich ein Leben und eine Familie aufgebaut hat, nur kurz vor ihr verstorben ist. Es gibt dabei unzählige Jenseits-Möglichkeiten, allerdings darf man die einmal gewählte Ewigkeit nicht mehr verlassen. Diese Entscheidung soll also wohlüberlegt sein. Manche Ewigkeiten sind dabei deutlich beliebter als andere, etwa ist die Kapazität einer Ewigkeit ohne Männer längst erreicht. Alle Ewigkeiten wetteifern fleißig um neue Bewohner*innnen, mit zum Teil makabren Werbesprüchen, etwa für die Raucher-Ewigkeit: „Smoking cannot kill you twice.“ Mir hat das Konzept mit den Ewigkeiten sehr gut gefallen, und ich fand auch, dass der Film den Grad zwischen Ernsthaftigkeit und Humor gut getroffen hat. Es ging um ernsthafte Themen, ohne, dass der Film dabei seine Leichtigkeit verloren hat. Und alle drei Figuren wurden durchaus vielschichtig dargestellt, mit bewegenden Momenten, die zum Nachdenken angeregt haben.
Flow
Ich weiß noch, dass ich mir den Film nachmittags angeschaut habe, und dass es ein wenig verhangen und grau draußen war. Für solche Tage ist das der perfekte Film. Es geht um Freundschaft, und Zusammenhalten, und Akzeptanz. Eine riesige Flutwelle überspült alles, und verschiedene Tiere finden auf einem Schiff zusammen. Während des Films wird kein einziges Wort gesprochen, aber es gibt wunderschöne Bilder und eine sehr berührende Filmmusik. Alles wird sehr leise erzählt, und es sind die kleinen Momente, die diesen Film ausmachen.
Sing Sing
In dem Film geht es um eine Theatergruppe in einem Gefängnis, aber vor allem um die zwischenmenschlichen Momente, die Hoffnung, und das, was sie als Menschen ausmacht, während sie sich in einer Umgebung befinden, die eintönig und grau und einfach nur ziemlich deprimierend ist. Alle Figuren bringen ihre eigene Geschichte mit, der sie sich im Verlauf des Films stellen müssen. Der Film porträtiert das Leben der Figuren dabei sehr realistisch und zeigt auch all die dunklen Momente. Ich mochte den Film, weil er nicht einfach schematisch erzählt, sondern zeigt, dass es immer wieder Augenblicke des Scheiterns gibt und es manchmal drei Schritte zurück geht, bevor man wieder nach vorne gehen kann. Gleichzeitig ist der Film sehr kraftvoll und voller Hoffnung. Ein sehr berührender, eher leiser Film!
Monsieur Aznavour
Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Charles Aznavour, dessen Chansons ihn zu einem der berühmtesten Sänger Frankreichs machten. Im Film werden auch immer wieder Lieder von ihm gespielt, welche so noch einmal eine ganz andere Wirkmacht entfalten. Es ist ein sehr persönliches Porträt, das vor allem auch aufzeigt, was er auf seinem Weg zum Ruhm alles aufgeben musste, und wie ihn das als Person geprägt und verändert hat. Es zeigt sein Scheitern, und das Gefühl, ein wenig verloren zu sein, und sein Durchhaltevermögen, und seinen Erfolg. Ein sehr berührender Film, der zum Nachdenken anregt.
The Ugly Stepsister
Ehrlich gesagt hat mich der Film ein wenig verstört, aber ich fand ihn auf unheimliche Weise auch sehr gut gelungen. Es ist ein bisschen so, dass man nicht richtig hinsehen, aber auch nicht wegsehen kann. Die Katastrophe kündigt sich auf jeden Fall schon frühzeitig an, und dann läuft die Handlung geradewegs darauf zu, während es immer schlimmer und schlimmer wird. In dem Film geht es um das Bestreben nach Schönheit, welches über das eigene Wohlbefinden gestellt und vor allem durch das Außen erzwungen wird. Und gleichzeitig ist es auch ein sehr feministischer Film, der sich ganz klar gegen das Patriarchat richtet. All das wird in eine Märchenerzählung mit Body-Horror-Elementen eingebettet. Ein sehr sehenswerter und origineller Film!