Die Zeit ist schon wieder viel zu schnell vorbeigegangen und 2024 neigt sich dem Ende entgegen. Es sind nur noch wenige Stunden übrig, bevor ein neues Jahr beginnt, hoffentlich voller schöner Überraschungen, guter Gespräche mit lieben Menschen und vielleicht dem ein oder anderen Abenteuer. Mögen sich auch im Neuen Jahr viele schöne Erinnerungen ansammeln und natürlich auch ein paar gute Filme, mit bewegenden Momenten, berührenden Bildern und atmosphärischem Soundtrack.
Aber jetzt ist erst einmal der perfekte Moment, auf die Filme des fast vergangenen Jahres zurückzublicken. Ich habe hier, in keiner besonderen Reihenfolge, meine Lieblingsfilme aus 2024 zusammengetragen:
King’s Land
An den Film kann ich mich immer noch sehr gut erinnern. Ich war schon für ein paar Wochen nicht mehr im Kino gewesen und dann hatte ich ihn mir angeschaut, und fand es einfach schön, mal wieder im Kino zu sein. Es war im Sommer, und draußen war es ein bisschen zu warm. Im Saal roch es nach Popcorn, und es waren nicht sehr viele andere Menschen da.
Der Film ist kein „Wohlfühlfilm“ im eigentlichen Sinn, aber er bringt einfach sehr viel mit, was einen guten Film ausmacht: Menschen, die einander fremd und auch anfangs nicht sonderlich sympathisch sind, und dann aber doch zu einer Familie zusammenwachsen; einen Antagonisten, der voller Arroganz und Willkür in seinem kleinen Fleckchen Heide herrscht; kalte, unbarmherzige Winter, in denen sich trotzdem immer auch etwas Wärme und ein Funken Hoffnung auftut. Die Protagonisten versuchen, das Beste aus dem zu machen, was sie haben, und scheitern trotzdem daran, doch sie geben nicht auf. Zwischenzeitlich ist es ein sehr düsterer Film, der jedoch immer auch kleine, schöne Momente zeigt. Große Empfehlung!
Gondola
Ein eher kleiner Film, der auch nur kurz in den Programmkinos lief, wo das Anschauen aber auf jeden Fall lohnt. Es ist ein leichter Film, der den Sommer in wunderschönen, farbprächtigen Bildern einfängt. Dabei geht es um das Verliebtsein und die Liebe zwischen zwei Schaffnerinnen, welche die beiden Gondeln operieren, die das Tal mit dem Berg verbinden. Ihr Chef steht dem Ganzen sehr feindselig gegenüber, da er eine von ihnen für sich selbst begehrt, doch die beiden Schaffnerinnen können die Menschen am Berg mit ihrer freundlichen Art nach und nach für sich einnehmen.
Es ist einfach ein richtig schöner Film, in dem alles nur durch Bilder erzählt wird. Immer wieder gibt es Aussichten auf die wunderschöne Landschaft mit ihren waldbedeckten Bergen, kleinen Dörfern und Granatapfelbäumen. Aber das Beste an dem Film sind die zwischenmenschlichen Momente, die einfach sehr rührend sind. Der perfekte Film für laue Sommerabende!
Shambhala
Ein sehr ruhiger Film, der eher langsam und bedächtig die Geschichte von Pema erzählt, die im nepalesischen Himalaya lebt und mit drei Brüdern verheiratet ist. Einer von ihren Ehemännern glaubt nun, dass sie ihm fremdgegangen sei, und ist seitdem in den Bergen verschwunden. Sie macht sich auf eine Reise, um ihn, aber vor allem auch sich selbst zu finden.
Der Film ist sehr lang, aber keinesfalls langweilig. Es gibt immer wieder beeindruckende Landschaftsaufnahmen, welche die Schönheit des Himalayas einfangen. Aber es ist auch die Geschichte einer starken Frauenfigur, die ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt und sich auf ihrer Reise immer wieder bewährt. Dies ist auch einer von den Filmen, die im Kino erst ihre ganze Wirkung entfalten, da die Bilder auf einer großen Leinwand einfach noch besser zur Geltung kommen.
The Holdovers
Ein verbitterter Lehrer, eine trauernde Köchin und ein von seinen Eltern enttäuschter Schüler müssen gezwungenermaßen in einem Internat die Weihnachtsfeiertage gemeinsam verbringen. Keine*r von ihnen ist besonders begeistert und am Anfang machen sie es sich alle so schwer wie möglich. Doch am Ende wachsen sie trotzdem zusammen und helfen einander, ihre jeweiligen Probleme besser bewältigen und zu sich selbst finden zu können.
Der Film ist ein schöner Weihnachts- und Wohlfühlfilm, der aber ebenso auch über ernste und traurige Momente verfügt. Die Protagonisten wollen keinesfalls die Feiertage miteinander verbringen und können sich am Anfang auch nicht sonderlich leiden. Allerdings tut es irgendwie gut, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich doch zusammenraufen und verschiedene Geheimnisse ans Tageslicht kommen. Sie alle haben ihre ganz eigenen Probleme, die aber nicht auf wundersame Weise gelöst werden. Genau das mochte ich an dem Film, und außerdem gab es dazu noch passende Filmmusik, witzige Dialoge und viel winterliche Atmosphäre mit Schnee und verfrorener Landschaft.
Des Teufels Bad
Der Film ist düster und ehrlich gesagt bin ich immer noch ein bisschen verstört von dem Ende. Aber mir hat gefallen, dass hier eine historische Thematik aufgegriffen und in den Mittelpunkt gestellt wurde, die bisher kaum Beachtung gefunden hat und zumindest mir bisher völlig unbekannt war. Auch wird während des gesamten Films im Dialekt gesprochen, und die Bilder selbst sind mit den immer wieder auftauchenden Andeutungen von Vergänglichkeit ein wenig bedrückend.
Es geht um die Geschichte von Agnes, deren Unglück mit ihrer Ehe mit einem Fischermann beginnt. Der Film ist eher ruhig, und vieles wird auch nur angedeutet, etwa die Homosexualität ihres Ehemanns. Diese wiederum führt dazu, dass Agnes sich fremd fühlt, in der Beziehung mit ihrem Mann, in den zwischenmenschlichen Begegnungen mit dem neuen Dorf, in diesem dunklen und von Schatten durchtränkten Wald. So entwickelt sich durch die vielen gezeigten kleinen Momente eine sehr beklemmende Stimmung, die zusätzlich durch die Musik verstärkt wird. Auch Naturgeräusche spielen immer wieder eine wichtige Rolle. Trotz allem Düsteren ein sehr sehenswerter und historisch sehr genau recherchierter Film, der von wahren Begebenheiten inspiriert wurde.
Radical
Ein wundervoller Wohlfühlfilm! Es geht um einen Lehrer, der an eine in ganz Mexiko berüchtigte Schule wechselt und sein Bestes versucht, seinen neuen Schüler*innen eine Perspektive für die Zukunft und Spaß am Lernen aufzuzeigen. Der Film hat viele schöne Momente, und scheut trotzdem nicht davor, auch all die Schattenseiten zu zeigen. Natürlich kann ein einziger Lehrer nichts gegen die Korruption, die Gangs und die Gewalt ausrichten. Aber das Leben seiner Schüler*innen hat er trotzdem ein wenig geändert.
Auch dies ist wieder ein Film, in dem gewisse Erwartungen zutreffen: Da ist die Figur des Lehrers, der völlig neue Methoden ausprobiert, das System, was dem natürlich äußerst skeptisch gegenübersteht, und die verschiedenen Schüler, die für verschiedene gesellschaftliche Probleme stehen: Ein Junge, der von seinen älteren Brüdern dazu gedrängt wird, ebenfalls Teil einer Gang zu werden, ein Mädchen, das in einer überforderten Familie die Mutterrolle für ihre kleinen Geschwister übernimmt, und ein Mädchen, das unheimlich talentiert ist, deren kranker Vater aber auf einem Schrottplatz lebt und arbeitet.
Allerdings gibt es auch Brüche, etwa unterstützt der Schulleiter den neuen Lehrer in seinem Tun und es werden vor allem auch die vielen Grautöne gezeigt. Ich habe den Film sehr gerne gesehen und das Ende ist auch sehr emotional.
Cranko
In dem Film geht es um das Leben von John Cranko, der aus London nach Stuttgart kam und am dortigen Ballett grundlegend künstlerisch verändert hat, was man mit Tanz alles sagen und machen kann. Dabei war John Cranko auf der einen Seite talentierter Künstler, der immer wieder neue Ideen hatte und umgesetzt hat, auf der anderen Seite aber auch jemand, der ein bisschen am Leben verzweifelt ist. Seine Erfolge werden ebenso gezeigt wie seine Niederlagen, an denen er manchmal fast zerbricht. Doch genau diese Momente führen teilweise dazu, dass er zu neuer Stärke und neuer Inspiration zurückfindet.
Es ist ein sehr berührendes Porträt geworden, welches sich eben durch die Tiefe und Authentizität des Charakters John Cranko auszeichnet. Dieser wird sehr reflektiert dargestellt, und daneben gibt es immer wieder wunderschöne Tanzaufnahmen. Ein sehr bewegender Film!
Das Flüstern der Felder
Auf den Film hatte ich mich sehr gefreut, weil ich bereits „Loving Vincent“ (2017) sehr mochte. Auch dieser Film ist wieder ein sich bewegendes Gemälde und es beruht auf dem Roman „Die Bauern“ von Wladyslaw Reymont. Es geht um Jagna, die gezwungen wird, einen verwitweten, wohlhabenden und sehr viel älteren Bauern zu heiraten. In dieser Ehe ist sie zutiefst unglücklich und beginnt eine heimliche Liebesbeziehung mit einem anderen Mann aus dem Dorf.
Die Bilder sind wunderschön! Der Film gliedert sich nach den verschiedenen Jahreszeiten und sie alle werden in lebendigen, leuchtenden Farben gezeigt. Außerdem vermag es der Film, die Emotionen der verschiedenen Figuren sehr gut einzufangen und ihr Innenleben sowie ihre Gedanken und Gefühle sehr behutsam aufzuzeigen. Es ist das Porträt einer unglücklichen, aber starken Frau, das es sich sehr lohnt anzuschauen.
Nosferatu
Auf diesen Film hatte ich mich schon sehr lange gefreut und ich glaube, am Ende waren meine Erwartungen dann bereits so hoch, dass sie nur noch enttäuscht werden konnten. Und ja, es ist kein perfekter Film, und ich fand es vor allem schwer, mit den Figuren mitzufühlen und mitzufiebern. Irgendwie hat es sich seltsam blass angefühlt, als ob hinter all den schönen Bildern etwas mehr Substanz fehlt. Aber alles andere an dem Film ist sehr stimmig und es ist immer noch ein sehr guter Film mit beeindruckenden Bildern, unheimlicher Atmosphäre und einem Soundtrack, den ich seit dem Schauen immer wieder höre. Und ich würde ihn trotzdem, allein für die Atmosphäre und die Bilder, auf jeden Fall weiterempfehlen.