Alles fängt mit düsteren Träumen an, welche Ellen seit ihrer Kindheit immer wieder plagen. In ihnen ist lauter Dunkelheit und Furcht und Tod. Weiße Vorhänge flattern im Wind, während einsame Gräber verwittert von Unkraut überwuchert werden. Ein schwarzer Schatten bricht aus der Nacht hervor und Ellen ist gleichermaßen abgestoßen und fasziniert.
Erst nach der Hochzeit mit ihrem Ehemann Thomas Hutter hören diese Träume auf. Doch Ellen weiß sehr gut, dass das längst nicht das Ende der ganzen Angelegenheit bedeutet und ihnen etwas Grauenhaftes unmittelbar bevorsteht. Die Idylle trügt und bald schon kehren ihre Albträume mit all den ihnen innewohnenden Schrecken zurück.
Eine lange Reise und ein geheimnisvoller Graf in Transsilvanien
Der Film spielt 1838 im fiktiven Wisborg, welches irgendwo am Meer in Deutschland liegt. Thomas Hutter erhält den Auftrag, zu einem geheimnisvollen Grafen in Transsilvanien zu reisen, um diesem einen Kaufvertrag für Schloss Grünewald zu übergeben. Ellen fleht ihn an, nicht zu gehen, doch Thomas erhofft sich, mit dem Geld für diesen Auftrag eine Grundlage für ihre Familie zu schaffen.
Er zieht also los und lernt bald, dass es um vielmehr als nur ein Grundstück in Wisborg geht. Graf Orlok, über den sich die Einheimischen unheimliche Geschichten erzählen, hat es auf Ellen abgesehen und es sind längst schon finstere Machenschaften in Bewegung gesetzt, die sich nicht mehr aufhalten lassen…
Wundervolle, dunkle Bilder
Der Film ist unheimlich bildgewaltig. Dabei erinnern die Aufnahmen manchmal schon sehr an einen Stummfilm, was aber durchaus passend erscheint, da ein solcher schließlich auch die Inspiration für dieses Werk darstellt. Die Kamera hält oft ganz still und lässt die Bilder darin wirken. Auch Gesichter werden häufig in einer Großaufnahme gezeigt, was die Mimik noch viel deutlicher hervortreten lässt. Besonders Augenblicke des Schreckens werden so sehr gut eingefangen und entfalten eine sehr viel größere Wirkmacht.
Gleichzeitig sind die Bilder schwermütig und düster. Das Anwesen des Grafen in Transsilvanien besteht aus verstaubten, von Spinnweben überzogenen Ecken, eingebrochenen Holzbalken und zugigen Treppen. Das Meer bei Wisborg gurgelt in dunklen Wogen im Hintergrund, während sich die Stadt in schwarzen, kantigen Silhouetten von der Nacht abhebt. Alte, in Leder eingebundene Bücher, enge, nur von Kerzenlicht erhellte Räume und Schnee, der viel zu schwer vom Himmel herabfällt, prägen den Film.
Das alles wird untermalt von einem düsteren, melancholischen Soundtrack, welcher die beklemmende Atmosphäre des Films noch verstärkt. Meist wird die Musik so subtil im Hintergrund eingeflochten, dass sie sich ganz unauffällig hinter das Geschehen legt. Doch manchmal tritt sie laut und mächtig hervor und dies führt wiederum, in Kombination mit den mehreren Sekunden andauernden Großaufnahmen, zu einer Verdichtung des Schreckens.
Eine Atmosphäre des Grauens
Die große Stärke des Films ist tatsächlich die darin eingefangene Atmosphäre. Hier ist alles sehr stimmig und selbst die Sprache mutet altertümlich an. Zudem werden auch im englischen Original die deutschen Anreden („Frau Hutter!“) verwendet. Auch die Art des Erzählens passt sehr gut dazu. Dinge werden oft nur angedeutet und in Bildsprache übermittelt. Nicht immer ist ganz klar, was genau Traum und was Wirklichkeit ist.
Charaktere, die trotz aller Bildgewalt seltsam farblos bleiben
Der Film hätte ein großartiges Kunstwerk werden können. Doch dafür fehlt ihm leider die Tiefe der Charaktere. Diese bleiben bei aller Bildgewaltigkeit und schauriger Stimmung irgendwie blass und farblos. Ellen wird vor allem durch ihre Albträume definiert, doch daneben erfährt man kaum etwas über sie. Thomas ist der liebende, geduldige Ehemann, aber all seine Eigenschaften wirken eher wie eine Schablone, hinter der sich keine authentische Figur verbirgt. Graf Orlok verkörpert das absolut Böse sehr überzeugend und furchteinflößend, allerdings bedient auch er ein gewisses Klischee, das sich in ungepflegten, dreckigen Fingernägeln, verfaulendem Fleisch und kalten Augen offenbart.
Daneben gibt es noch den wahnsinnigen Verrückten, der Ratten und Tauben verspeist, den guten Freund, der sich der Wissenschaft und nicht dem Aberglauben verschrieben hat, und die Nonnen, die den halbtoten Thomas nach seinem Sturz in den Fluss wieder gesundpflegen und vor dem Bösen in der Welt warnen.
Dies wiederum hat zur Folge, dass man mit den Figuren nicht mitfiebern kann. Der Film präsentiert sich in diesen wunderschönen Bildern, hinter denen die Geschichte aber hölzern und steif wirkt. Die Dialoge kommen manchmal etwas gestelzt herüber, und die Ästhetik täuscht darüber hinweg, dass die Protagonisten bei genauerer Betrachtung seltsam leer und wie vergilbte Fotografien, deren Figuren längst verblichen sind, scheinen.
Ein trotz allem sehenswerter Film
Insgesamt ist es trotzdem ein sehenswerter Film, der sehr viel richtig gemacht hat und auch für seine Bilder, wie etwa die perfekte letzte Aufnahme ganz am Ende, im Gedächtnis bleibt. Doch wenn da noch etwas mehr gewesen wäre, mehr Tiefe der Charaktere und mehr Präsenz und Authentizität der Figuren und mehr Realität in den Gesprächen, wäre es ein wahrhaft großartiger Film geworden.