Eine Film-Rezension von „King’s Land“
Die Jütländer Heide erstreckt sich so weit das Auge reicht, während der Wind sanft durch die Gräser streicht. Die Farbschattierungen bilden ein einheitliches Gemisch aus grünen Blättern und trockenem Heidekraut, welches von einem fahlen Himmel überspannt wird. Eins steht fest im Jahr 1755: Die Heide ist nicht urbar zu machen.
Es gab immer wieder Versuche, genau dies zu vollbringen, doch sie alle sind gescheitert. Die dänische Krone hat dennoch ein beträchtliches Interesse daran, da sonst ein Großteil des Königreichs ungenutzt brachliegt. Aber die widrigen Wetterbedingungen, Überfälle von Rechtlosen und der nicht sehr fruchtbare Boden machen dies unmöglich.
Hier kommt nun Ludvig Kahlen ins Spiel, Sohn einer Küchenmagd und ehemaliger Gärtner, der in 25 Jahren als Soldat zum Hauptmann aufgestiegen ist. Als er der Rentenkammer in Kopenhagen sein Vorhaben unterbreitet, stößt er auf Gelächter und Ablehnung. Doch seine Bereitschaft, das Ganze selbst mit seiner Rente zu finanzieren, stimmt die Bürokraten um, die ihm im Gegenzug im Falle seines Erfolgs einen Adelstitel versprechen.
Feindseligkeiten in der Heide
In der Heide angekommen erbaut Ludvig Kahlen zunächst ein Haus, um das herum die zukünftige Kolonie entstehen soll. Im Schlamm kniend trotzt er Wind und Wetter bei der mühseligen Arbeit, das Heidekraut herauszureißen und den Boden für die geplante Aussaat vorzubereiten. Unterstützt wird er von zwei Pachtbauern, die dem hiesigen Gutsherrn de Schinkel entflohen sind, und einem Mädchen, das einst von Rechtlosen gekauft wurde.
Doch immer wieder sucht das Unglück die Heide heim. Frost, Rechtlose und der Gutsherr de Schinkel machen dem Heideprojekt schwer zu schaffen. Und der nahende Winter steht schon fast vor der Tür.
Gutsherr de Schinkel betrinkt sich gerne mit Wein und lässt sich in heldenhafter Pose vor auf der Jagd erlegten Tieren malen. Er möchte keine Kolonie auf dem Heideland haben, welches er als sein rechtmäßiges Eigentum betrachtet. Dafür ist er bereit, auch über Leichen zu gehen.
Ludvig Kahlen hat sein Leben lang von dieser Chance geträumt, die er nun nicht einfach aufgeben kann. Und so entspinnt sich ein Konflikt, der schnell ethische Grenzen überschreitet und beiden Männern grausam aufzeigt, welchen Preis sie für ihre jeweiligen Ziele bereit sind zu zahlen…
Düstere Filmmusik und dunkle Landschaftsaufnahmen
Die Atmosphäre des Films hat durchgehend etwas Bedrückendes. Die gezeigten Räume sind eng und karg eingerichtet, die Heide ist endlos und monoton, der Himmel meist von grauen Regenwolken überzogen. Auch die Kleidung von Ludvig Kahlen könnte schon metaphorisch für die Stimmung stehen: Einstmals glänzend und neu ist sie nun schäbig, abgetragen und mit Rissen übersehen, die behelfsmäßig geflickt wurden.
Die Filmmusik ist meist leise und untermalt all das mit düsteren Hintergrundklängen. Die Farben der Bilder passen mit ihren dunklen Grundton sehr gut dazu. Nachts flimmert eine Laterne verloren, deren Lichtschein die wenigen Habseligkeiten von Ludvig Kahlen einfängt. Im Winter ist alles so farblos und weiß, das es fast mit dem ebenso so hellen Himmel zu verschmelzen scheint. Die einzigen Farbtupfer sind die Reichen und Vornehmen, mit ihren Perücken und teuren Kleidern, die in der Heide ein wenig fehlplatziert wirken.
Der teure Traum von einer Kolonie in der Heide
In dem Film geht es vor allem um einen Mann und sein hehres Ziel, für das er bereit ist, alles zu opfern, was ihm lieb und teuer ist. Dabei wird sein Charakter sehr genau ausgeleuchtet. Auch wenn man wenig über sein vorheriges Leben erfährt, wird sehr schnell deutlich, dass er die Art Person ist, die etwas gründlich durchdenkt und von einem einmal gefassten Entschluss nur schwer wieder abweicht. Ludvig Kahlen hat seine Ideale, an die er glaubt und die er nicht aufgibt.
Gleichzeitig geht es auch um eine leise Liebesgeschichte, die Hoffnung auf ein besseres Leben, das Finden einer selbst gewählten Familie, Bürokratie, Langeweile, Verrat und Tod.
Außerdem wird Rassismus als Thema aufgegriffen. Das Mädchen Anmai Mus, welches Ludvig Kahlen wie ein eigenes Kind aufnimmt, hat eine dunklere Hautfarbe als der Rest der Kolonisten. Sie empfinden es als Unglückszeichen und möchten das Mädchen deshalb nicht länger in ihrer Mitte wissen. Ludvig Kahlen hingegen sieht das zwar anders, beugt sich am Ende jedoch den engstirnigen Ansichten seiner Mitmenschen. Das Mädchen wird in ein Waisenhaus in Dänemark geschickt, wo es erst einmal eine Bleibe finden kann.
Ein Film, bei dem man nicht zu-, aber auch nicht wegschauen kann
Insgesamt war es ein sehr emotional mitreißender Film, der sich bedrückend auf eine Art entfaltet, wo man von Anfang an das Unheil kommen fühlt, ohne etwas dagegen ausrichten zu können. Es gab eine Szene, die definitiv über die Schmerzgrenze hinausgeht und nur schwer anzusehen ist. Doch insgesamt hat der Film auch viele Momente, die zwischenmenschlich sehr tröstend sind.
Es geht nicht nur um die Konflikte und die daraus entfachte Gewalt, sondern ebenso um verlorene Menschen, die ineinander Halt und Trost und so etwas wie eine Familie finden. Es lohnt sich sehr, sich den Film im Kino anzuschauen, und auch nach dem Kino dauert es eine Weile, bis man die Geschehnisse in der Jütländer Heide wieder abschütteln kann.