Der Ozean scheint in tiefstem Blau zu glühen, während ein mit allen Luxusaspekten versehenes Schiff über die Wellen dahingleitet. Doch nicht alle Reisenden genießen die Annehmlichkeiten des riesigen Dampfers. Bella Baxter fühlt sich an Bord als Gefangene, da sie gegen ihren Willen dorthin verfrachtet wurde. Ihre Hintergrundgeschichte bleibt lange im Dunkeln, doch wir sehen sie behütet im Haus des exzentrischen Wissenschaftlers Dr. Godwin „God“ Baxter in London aufwachsen. Für sein makabres Experiment hat er den Medizinstudenten Max McCandless beauftragt, die Fortschritte und Entwicklung Bellas zu beobachten und detailliert zu dokumentieren. Doch anders als von Godwin vorgesehen, verliebt sich Max in Bella und die beiden verloben sich sogar.
Dann kommt jedoch der pompöse Auftritt des Frauenhelden und Anwalts Duncan Wedderburn, der Bella verführt und davon überzeugt, mit ihm eine Weltreise anzutreten. Gegen den Willen von God und Max stimmt Bella zu und packt kurzerhand ihre Taschen. Doch als Duncan realisiert, dass Bella keineswegs vorhat, sich nur mit ihm zu vergnügen, entführt er sie auf besagtes Schiff, wo sie nicht fliehen kann und es demnach einfacher für ihn ist, sie zu kontrollieren. Doch Bellas Reise hört hier keineswegs auf.
In dem Film gibt es unheimlich schöne Bilder. Die Realität wird nicht so abgebildet wie sie ist, sondern wie sie sein könnte, wenn jemand sie mit leuchtenden Farben und viel Fantasie auf Leinwand gemalt hätte. Auch die Städte, die sie bereisen, erkennt man zwar wieder, doch sie sind ebenfalls fantasievoll ausgestaltet. Es ist eine spannende und wunderschöne Welt, die Bella für sich erkundet.
Genau das ist auch das Hauptthema des Films: das Streben nach Freiheit und Autonomie von Bella. Sie wird als starke Frauenfigur gezeichnet, die sich keine Vorschriften machen lässt und für sich allein entscheidet, wie sie ihr Leben gestalten möchte. Ihr dabei zuzusehen, wie sie sich in den Widrigkeiten des Lebens behauptet und ihren Platz in der Welt findet, ist durchaus wohltuend. Ein wenig ist es eine typische Underdog-Geschichte: Am Anfang weiß Bella nicht so recht, was ihr Ziel ist im Leben, doch dann findet sie ihren ganz eigenen Weg.
Das größte Hindernis sind dabei die verschiedenen Männer, auf die sie im Verlauf ihres Lebens trifft. Ihnen allen ist gemeinsam, das sie versuchen, Macht über Bella auszuüben. Doch die Art und Weise, wie sie das tun, unterscheidet sich drastisch. Da ist Godwin, der sie zunächst nicht als Mensch, sondern nur als Experiment wahrnimmt und ihr keinen eigenen Willen zugesteht. Dann ist da Max, der im guten Glauben, das Beste für Bella zu wollen, ihre Entscheidungen ebenfalls nicht anerkennt und versucht, ihr seine Ansichten aufzuzwingen. Später kommt der Anwalt Duncan, der Bella ganz für sich allein haben will und ihr dabei vorschreibt, was sie zu sagen und wie sie sich zu verhalten hat. Nach ihm folgen im Film noch ein paar Andere, doch Bella weist sie alle in ihre Schranken.
Ihre Reise beschränkt sich neben einigen wenigen Begegnungen und Erkundungstouren der Umgebung fast ausschließlich auf die sexuelle Entdeckung ihres Körpers, die in verschiedenen Szenen sehr detailliert auserzählt wird. Durch diesen Fokus gehen jedoch andere Aspekte, deren genauere Beleuchtung ebenfalls spannend gewesen wäre, leider unter. In einer Szene entdeckt sie ihr Mitgefühl, doch darüber wird dann recht schnell hinweggegangen. In einer anderen Szene findet sie eine Freundin und engagiert sich als Aktivistin, doch auch danach folgen sofort wieder verschiedene Schlafzimmer-Szenen. Ebensolche Szenen nehmen dabei einen Großteil des Films ein. Andere Ebenen, wie eben ihre sich zunehmend ausdifferenzierende Gefühlswelt oder auch ihr Umgang mit ihrer Vergangenheit, werden viel zu schnell und oberflächlich abgehandelt und nie in der Tiefe betrachtet, obwohl sie ja insofern essentiell sind, als dass sie Bella zu der Person werden lassen, die sie am Ende ist. Die genauere Auseinandersetzung mit diesen Themen ist im Film etwas zu kurz gekommen.
Gleichzeitig macht es sich der Film, was die Handlung betrifft, manchmal ein wenig zu einfach. Bella gerät im Laufe ihrer Reise in verschiedene schwierige Situationen, denen sie jedes Mal ohne größere Probleme entkommt. Egal, wie aussichtslos die Lage erscheint, es tut sich auf wundersame Weise jedes Mal ein perfekter Fluchtplan auf. Natürlich agiert sie dabei als starke Frau und findet diese Wege auch selbst, doch ihre Figur hätte im Film nahbarer und authentischer gewirkt, wenn sie zwischenzeitlich auch einmal in ernsthafter Bedrängnis gewesen wäre und dann trotzdem nicht aufgibt und einen Weg findet. So konnte man viele Konflikte im Film nicht so ernst nehmen, da von Anfang an klar war, dass sie sich sofort und mitunter auf ungewöhnliche Art und Weise wieder aus den Schwierigkeiten befreien kann.
Zudem weiß der Film manchmal nicht so recht, welche Gefühle evoziert werden sollen. In einigen Szenen sind es ganz klar humorvolle Aspekte, die im Vordergrund stehen. Doch dann mäandert er wieder weiter zu ernsthaften Momenten, die jedoch nicht wirklich in die Tiefe gehen und zum Nachdenken anregen, weil ihnen kaum Platz gegeben wird, sich zu entfalten, und sie stattdessen von Elementen einer Komödie eingerahmt werden. Außerdem gibt es auch düstere Aspekte, die zwar atmosphärisch aufgearbeitet aber nicht auf einer emotionalen Ebene interpretiert werden. Bei gewissen Szenen entsteht ein Ekel-Gefühl, was sicherlich vom Film so intendiert wurde, doch hierbei stellt sich dann wiederum die Frage, was damit bezweckt werden soll. Durch einen solchen plakativen Schock-Effekt verliert man Mitgefühl für die Figuren, welches dann später im Verlauf des Films jedoch durchaus wieder eingefordert wird. Nach dem Film fällt es sehr schwer zu beschreiben, was für einen Film man da eigentlich gerade gesehen hat.
Letztendlich ist es auch eine Metapher über das Anders-Sein. Bella entspricht nicht den gesellschaftlichen und sozialen Konventionen und erlebt aufgrund dessen Ausgrenzung. Doch ebenso findet sich auch Unterstützer*innen und Gleichgesinnte, die zu ihr stehen und ihr auf ihrem Weg helfen. Am Ende muss sie sich auch nicht ändern, um akzeptiert zu werden, sondern sie findet ein Umfeld, in dem sie die Person sein kann, die sie ist. In der Hinsicht handelt es sich auch ein wenig um einen Wohlfühlfilm.
Auf jeden Fall hat es gut getan, Bella auf ihrer Selbstentdeckungsreise zu begleiten, in der sie voller Neugier, Offenheit und Mut eine Welt kennenlernt, die sehr viel Schönheit aber ebenso auch ihre Schattenseiten zu bieten hat. Es ist befreiend, wie sie all die Versuche, sie zu kontrollieren (übrigens nicht nur durch Männer!) konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste abschüttelt. Außerdem ist die Filmmusik unheimlich gut gelungen und untermalt das Ganze sehr atmosphärisch. Doch es ist auch ein Film, wo man leicht verstört das Kino verlässt und der noch eine ganze Weile im Gedächtnis hängenbleiben wird.