Die Wälder sind in der Nacht finster und undurchdringlich, während ein Auto auf einen von Herbstlaub übersäten Friedhof fährt. Doch was dort dann geschieht, hat so gar nichts Übernatürliches an sich. Ein Vater, der seine Waffe gegen sich selbst richtet, wird von den vom ihm selbst zuvor gelegten Flammen verschlungen, während schwarze Kreaturen aus der Dunkelheit immer näher kommen und ein Sohn stumm dem Grauen zusieht. Dann schreckt Ryan aus seinem Albtraum auf. Die Realität ist in diesem Film viel furchteinflößender als die ausgemergelte Frau mit dem weißen Gesicht und dem dunkel und matt herabhängenden Haar, die er kurz danach immer wieder sieht.
Im Kern geht es in diesem Film um eine Familientragödie und die Trauer und den Schmerz, der die restlichen Familienmitglieder seitdem begleitet. Der 21-jährige Ryan kümmert sich um seinen kleinen Bruder und übt sich als angehender Tätowierer, während die Mutter der beiden vorsichtig wieder eine neue Beziehung eingeht. Doch dann kommt der ältere Bruder unerwartet vom College zurück und alte Wunden brechen wieder auf. Seinen älteren Bruder umgibt eine Dunkelheit, gegen die Ryan nichts ausrichten kann.
Nach und nach offenbart sich die Geschichte der Familie, während sie aber ebenso auch ihren Alltag leben. Partys am Lagerfeuer, langweilige Vorlesungen, gemeinsames Burger-Essen der Brüder zu Halloween. Der Film lässt sich Zeit, ein sehr genaues und einfühlsam eingefangenes Bild einer nach außen hin harmonischen, doch im Privaten sehr von Trauer zerrissenen Familie zu zeichnen. Das ist tatsächlich die große Stärke des Films, das er den Dingen und Handlungssträngen ganz in Ruhe die Zeit lässt, sich zu entfalten.
Auch die geheimnisvolle Frau taucht am Anfang gar nicht auf, und wird dann so subtil eingeflochten, dass man zwischenzeitlich vergessen könnte, dass dies hier eigentlich ein Horrorfilm ist. Der Schrecken des Films liegt vor allem in der Metapher, die den Schmerz visuell begreifbar macht. Ryan hat keine Worte für das, was er empfindet, doch durch die Bilder wird sein Innenleben deutlich nach außen gezeigt. Die wohl eindrücklichste Szene ist, als sein Bruder, bereits von der Dunkelheit und fremden Krallen ergriffen, flehend im Gras zusammenbricht und immer wieder „Hilf mir“ wiederholt. Das wahre Grauen ist nicht die Szene an sich, sondern die Ohnmacht und Starre Ryans in dem Moment, der nichts tun kann und nur voller Entsetzen zusieht.
Gelegentlich weist der Film auch ein paar Längen auf, die man jedoch schnell verzeiht, da trotzdem an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Die packende Atmosphäre entsteht auch dadurch, dass nicht nur die Beziehungen innerhalb der Familie beleuchtet werden, sondern auch die Beziehungen zu außenstehenden Personen. Insgesamt hat der Film durch die Filmmusik und viele finstere, nachts in verlassenen Wäldern spielenden Szenen etwas Düsteres und Bedrückendes.
Gleichzeitig verliert er sich jedoch nicht in der tristen Stimmung, es kommt immer wieder Hoffnung auf. Das Ende ist gelungen und passt sehr gut zu der erzählten Geschichte und ihren Figuren. Letztendlich ist es trotz aller düsterer Momente ein Film, der die Geschichte einer Heilung erzählt. Und so verlässt man den Film am Ende nachdenklich und wieder mit der erzählten Geschichte versöhnt, die zwischenzeitlich sehr, sehr dunkel wurde.