
Die Fähre von Hirtshals in Dänemark zu den Färöern fühlte sich ein bisschen an wie eine eigene Welt. Die Zeit schien anders zu vergehen, irgendwie langsamer, während das riesige Schiff zunächst gemütlich über die Wellen schaukelte. In der zweiten Nacht veränderte sich das Meer. Wild und aufgewühlt toste es, während der heulende Wind alle Geräusche verschluckte. Immer wieder krachte es, als das Schiff mit den anbrandenden Wassermassen kollidierte. Die Fähre fiel für einen fürchterlichen Moment in die Tiefe, bevor sie wieder angehoben wurde von der sie tragenden Gischt. Treppensteigen war bei dem Schwanken sehr abenteuerlich und Seevögel waren kaum noch zu sehen. Dafür wurde es nachts nicht mehr wirklich dunkel und manchmal hüllte Nebel alles in ein verschwommenes Nichts.


Wieder zurück an Land schwankte alles noch für eine Weile. Es war frühmorgens in Torshavn, der Hauptstadt der Färöer. Die Stadt wachte allmählich erst auf, es waren kaum Menschen in den Straßen unterwegs. Die meisten Läden öffneten auch erst später. Es roch nach Meer und es tat gut, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Die bunten Häuser im Hafen bildeten einen schönen Kontrast zu all dem stahlgrauen Wasser und dem herannahenden Nieselregen.



Die Landschaft hatte etwas Raues und Düsteres, doch sie war auch einfach wunderschön. Nie war das Meer weit entfernt, Schafe grasten ungerührt an steilen Abhängen, Seevögel kreischten aufgeregt und manchmal, wenn die Sonne hervorkam, wurde alles in ein goldenes Licht getaucht. Das Meer sah immer anders aus, mal war es glatt und wolkengrau, mal tieftürkis und blau und von weißer Gischt durchzogen und dann wieder ein dunkles, wogendes Grün.

Beim Wandern ging es über matschige Trampelpfade und an aufgetürmten Steinhaufen, den sogenannten Cairns, vorbei. Meist begegnete man dabei kaum einem Menschen. Dafür waren stets überall und an den unmöglichsten Stellen Schafe zu sehen. Zu sehen gab es in Tälern verborgene Dörfer mit grasbewachsenen Dächern, neblige Klippen und Wasserfälle, die ins Meer fielen.



Und dann waren da noch die Papageientaucher, die in den Sommermonaten auf den Inseln nisten, bevor es sie wieder zurück aufs Meer hinaus zieht. Sehr putzige Seevögel, die man mit ein bisschen Glück dabei beobachten kann, wie sie es sich auf den Klippen gemütlich gemacht haben.

