Eine kleine Hütten mitten im Wald neben einem See. Im Sommer ist sie von hochgewachsenem Gras umgeben, und dichten Tannen. Im Winter ist die ganze Landschaft von Schnee bedeckt, der See ist so zugefroren, dass die Frauen ein Loch in die dicke Eisschicht hacken müssen, damit sie nach der Sauna einmal in das kalte Wasser tauchen können. Die Sauna selbst hingegen hält immer die gleichen etwas verblichenen Holzbalken bereit, das orange glühende Feuer, die Rauchschwaden, die den gesamten Raum vernebeln. Darin erzählt sich eine Gruppe Frauen ihre jeweiligen Geschichten. Sie reden über Glück und Unglück. Über Neuanfänge und über Schicksalsschläge. Über das Scheitern. Über Krankheiten und Tod. Über Mütter und über Schönheit. Über die Liebe. Über Geburten und Abtreibungen. Über Träume und Sehnsüchte. Über das Leben.
Die Dokumentation porträtiert die Sauna als wichtigen Bestandteil im Leben der Frauen. In den Rauchsaunen wird sogar geboren. Es wird darin getanzt und gesungen. Schinken hängt von der Decke und wird dort geräuchert. In der kleinen Hütte im Wald wird geweint und gelacht und in Erinnerungen geschwelgt. Geheimnisse werden erzählt und es wird viel zugehört und allein das Dasein der anderen Frauen gestaltet sich tröstend. Die Sauna ist ein Ort der Selbstreinigung und dieser Prozess bezieht sich sowohl auf den Körper als auch auf den Geist. Die Frauen reden sich von der Seele, was sie bedrückt und beschäftigt.
Die Dokumentation ist unheimlich kraftvoll. Sie begleitet die Frauen an einem Ort, an dem sie sich sehr verletzlich und gleichzeitig aber auch sehr energiegeladen und stark zeigen. Es gelingt dabei sehr gut, allein über die Bilder auch andere Sinneseindrücke zu vermitteln. Fast ist er im Kinosaal zu spüren, der Rauch, der alles umgibt. Die Hitze, die sich langsam im Raum entfaltet. Man kann das zischende Wasser hören, und die raschelnden Zweige, das leise Gluckern des Sees. Fast ist es ein bisschen so, als wäre man selbst vor Ort und säße daneben, während die Frauen über Gott und die Welt reden.
Die Gespräche finden dabei vor allem im Schutz der abgedunkelten Sauna statt. Es entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre, die zum Reden über Dinge verleitet, über die sonst in der Hektik des Alltags nicht so viel gesprochen wird. Es ist eine sehr intensive Erfahrung, den Frauen zuzuhören und ihre Freude und ihren Schmerz für eine Weile zu teilen.
Es ist einer dieser Filme, in denen man alles um sich herum vergisst und für eine Weile in eine fremde und unbekannte Welt abtauchen kann. Die Frauen sind dabei jung und alt, haben verschiedene Körperformen und ganz unterschiedliche Leben. Trotzdem finden sie hier eine Gemeinschaft, die einfach sehr wohltuend ist. Obwohl die Zuschauenden im Laufe der Dokumentation nicht einmal die Namen der Protagonistinnen erfahren, hat man am Ende dennoch das Gefühl, diese Frauen zu kennen. Vielleicht, weil die Gespräche gleichzeitig sehr persönlich und irgendwie auch allgemeingültig sind. Es sind Gespräche, die in ähnlicher Form von sehr vielen Frauen schon geführt worden sind.
Die Dokumentation wirft einen sehr ehrlichen und authentischen Blick auf eine Tradition, die inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt worden ist. Diese Tradition wird dabei vor allem über die Perspektive der Frauen beleuchtet, während die Sauna im Verlauf eines Jahres gezeigt wird. Am Ende fühlen sich die 89 Minuten zu kurz an und man braucht einen Moment, sich im Kinosaal zu orientieren und wieder in die Realität zurückzufinden. Doch der Ausflug in eine kleine Hütte am Wald irgendwo in Estland hat sich sehr gelohnt.