Der Film fängt damit an, dass sich Cáit im hohen Gras vor ihrer Familie versteckt. Sie lauscht dem Rauschen des Windes und sieht den Wolken zu, bevor sie doch langsam wieder zum Haus und zu den rufenden Stimmen ihrer Geschwister zurückkehrt. Bald versteht man auch sehr gut, warum sie immer wieder wegläuft. Ihre Mutter ist mit dem Haushalt, den vielen Kindern und dem Vater, der lieber ins Pub flieht, überfordert. Ein kleines Kind schreit, das Schmieren der Schulbrote wurde vergessen, die Mutter steht vor einem Fenster und weint. Sobald der Vater einen Raum betritt, verstummen die Gespräche der Schwestern. In der Schule tuscheln die anderen Kindern über Cáit. Liebe und Zuneigung bekommt sie in ihrer Familie nicht besonders viel.
Nun ist ihre Mutter erneut schwanger und Cáit soll die Zeit bis zur Geburt bei der Cousine ihrer Mutter verbringen. Ihr Vater fährt sie zum Haus der Verwandten, auf der dreistündigen Fahrt raucht er und flucht über die Fußballergebnisse. Mit seiner Tochter redet er wie immer kaum. Dort angekommen, essen sie noch alle gemeinsam Mittagessen. Dann fährt der Vater mitsamt dem Koffer von Cáit wieder davon. Wie in den Szenen davor ist sie sehr still, doch die Fürsorge und die Geborgenheit in ihrem nun vorübergehenden Zuhause lassen Cáit bald aufblühen.
Es ist ein wundervoller Film, der sehr leise von einem Sommer erzählt, der für Cáit eine Menge ändert. Doch all diese Veränderungen geschehen im Stillen. Der Film zeigt den Alltag des Mädchens in ihrem neuen Zuhause, dabei können sich die Szenen ganz in Ruhe entfalten und so eine friedliche und ruhige aber auch leicht melancholische Atmosphäre einfangen. Ihre Tante und Cáit schälen Kartoffeln oder bereiten Stachelbeermarmelade zu. Sie hilft ihrem Onkel dabei, die Kälber zu füttern. Vor dem Schlafengehen gibt es heiße Milch. Alles ist sehr unaufgeregt und alltäglich, aber genau das macht den Film so großartig. Er schafft es sehr gut, all diese kleinen Momente, an die man sich später nostalgisch zurückerinnert und in denen es eigentlich viel mehr um das zwischenmenschliche Miteinander geht, abzubilden.
In die Idylle bricht aber auch immer wieder die Realität hinein. Es geht in dem Film um ein Mädchen, das bei Verwandten einen sicheren Hafen findet und in diesem Sommer eine positive Entwicklung durchmacht. Ebenso geht es aber auch um die Begegnung mit dem Tod, Trauer, das Heilen alter Wunden, Familienbeziehungen, Hoffnung, Geheimnisse und unglückliche Ehen.
All das ist ganz wunderbar verpackt. Immer wieder wird die Natur gezeigt, Sonnenstrahlen in den Blättern, eine kühle Quelle, das Meer bei Nacht. Die Filmmusik passt sehr gut dazu, sie ist sehr ruhig und melodisch. Egal, wie traurig Cáit auch sein mag, das Gras, in dem sie sich versteckt, wird trotzdem im Gleichklang vom Wind hin und herbewegt und die Sonne scheint viel zu fröhlich. Gleichzeitig bietet die Natur im Film aber auch immer wieder Trost.
Eine sehr große Stärke des Films ist, dass er nicht versucht, gewisse Emotionen durch den Einsatz von Filmmusik oder Kameraführung zu erzeugen oder zu verstärken. Stattdessen bleibt die Kamera im Hintergrund und die Emotionen wirken dadurch authentisch. Sie entstehen aus dem erzählten Moment heraus, diese Momente werden ganz in Ruhe eruiert und verleihen den gezeigten Emotionen etwas sehr Wahres. Auch dadurch, das im Film eigentlich eher vermieden wird, über Gefühle zu sprechen, treten diese dann umso deutlicher hervor.
Der Film arbeitet dabei über gewisse Parallelen. Zuerst wurde das Leben in Cáits Familie porträtiert, dann ihre Zeit bei den Verwandten. Obwohl beide Familien ähnliche Haushalte führen, schließlich sind beide ländlich gelegen und in der Landwirtschaft tätig, sind es gänzlich andere Leben. Zudem lohnt es sich sehr, den Film als OmU zu schauen. Denn im Original ist der Film zweisprachig, doch die Szenen, in denen Englisch gesprochen wird, sind hauptsächlich jene, in denen Cáits Vater anwesend ist. Der Rest wird auf Gälisch erzählt. Die sprachliche Barriere betont dabei zusätzlich die Entfremdung zwischen Cáit und ihrem Vater beziehungsweise auch die Distanz zwischen ihrer Familie und ebenjenem.
Es gibt so viele schöne Momente in dem Film. Glückliche und traurige Momente. Es ist ein Film, der unheimlich gut tut, und einen gleichzeitig zum Weinen bringt. Auch, wenn sich gar nicht so viel ändert, ist am Ende dennoch alles komplett anders. Ein wirklich sehr, sehr guter Film, der nach dem Schauen noch lange im Gedächtnis bleiben wird!