Anfang dieses Jahres (2023) zeigte das Rijksmuseum in Amsterdam die bislang größte Werkschau eines Künstlers, über dessen Leben nicht sehr viel bekannt ist: Johannes Vermeer. Der Maler wurde 1632 in Delft geboren, wo er 1675 auch verstarb. Zu seinen bekanntesten Werken zählt etwa das Mädchen mit dem Perlenohrring. Dieser Film begleitet den Weg zur Ausstellung dokumentarisch und gewährt Einblicke in deren Entstehung, kunsthistorische Debatten und die sich immer wieder ändernde Forschungslage zum Künstler und dessen Werk.
Immer wieder werden im Film verschiedene Werke genauer betrachtet und die Details der Bilder in Großaufnahmen gezeigt. Das ist für Zuschauende sehr angenehm, da man die Bilder so viel genauer ansehen kann, als wenn man im Museum mit Sicherheitsabstand vor ihnen stünde. Die Erklärungen der Expert*innen helfen dabei, den Fokus auf Besonderheiten der Bilder zu lenken, die man sonst vielleicht übersehen hätte. Außerdem bemüht sich der Film aufzuzeigen, was genau den Stil dieses Malers ausmacht. Im Laufe der Dokumentation gewinnt man ein gewisses Gespür dafür, was dessen Werk von ähnlichen Werken anderer Künstler*innen unterscheidet.
Dabei wird vor allem immer wieder das Licht genannt. Vermeer hat ein großartiges Talent dafür, Licht und Schatten sehr realistisch einzufangen. Gleichzeitig geht es aber auch um die technischen Details der Bilder. Moderne Analysen ermöglichen es, das Original von später Hinzugefügtem zu unterscheiden. In einem seiner Bilder ist etwa später ein Vogelkäfig dazugemalt worden, der gar nicht von Vermeer selbst stammt, die Interpretation dieses Bildes aber jahrelang geprägt hat. Auch die verwendeten Materialien werden genau untersucht und die gewonnenen Erkenntnisse hierüber diskutiert.
In Erinnerung bleibt auf jeden Fall der Enthusiasmus und die Begeisterung des Teams, die für die Ausstellung verantwortlich sind. In der Dokumentation wird deutlich, wie sehr sie für dieses Projekt brennen und auch persönlich mitfiebern. Es macht Spaß, sie dabei zu begleiten, wie sie die verschiedenen Bilder Vermeers besuchen und schauen, welche sie für ihre Ausstellung gewinnen können. Außerdem zeigt es auch, wieviel Aufwand im Hintergrund einer solchen Ausstellung steckt.
Im Vorfeld der Ausstellung wurde über eine Erkenntnis sehr viel gesprochen: Forschende waren zu dem Schluss gekommen, dass ein bisher anerkanntes Werk des Künstlers gar nicht von diesem stammen sollte. Die Argumente der jeweiligen Seiten werden sehr genau auseinandergenommen und gegeneinander abgewogen. Letztendlich hat das Rijksmuseum das Bild als echten Vermeer anerkannt, doch der Weg dorthin ist sehr spannend erzählt.
Man taucht tief in die Kunstgeschichte hinein während der Dokumentation. Es ist nicht nur ein Film über eine Ausstellung und die Menschen, die diese möglich machen und gestalten, sondern auch ein Film über einen Künstler. Nach dem Schauen der Dokumentation sieht man einige der Bilder mit anderen Augen, man wurde für das genaue Hinsehen sensibilisiert und hat außerdem mehr Wissen über die Technik, die Eigenheiten und den Stil Vermeers erlangt. Natürlich ersetzt der Film die Ausstellung nicht, doch er verleiht ein sehr gutes Gefühl für das Werk Vermeers. Dem Film gelingt es dabei sehr gut, sich nicht zu trocken in die wissenschaftlichen Details zu verlieren, sondern vor allem die Schönheit der Bilder hervorzuheben und die Begeisterung für das Werk des Künstlers herüberzubringen.