Alles fängt mit einem Theaterstück an einem verregneten Abend in Edinburgh an, das Philippa Langley nicht einmal unbedingt sehen wollte. Stattdessen sitzt sie pflichtbewusst mit ihrem Sohn dort, der darüber in der Schule einen Aufsatz schreiben muss, und schaut zwischendurch gelangweilt auf ihr Handy. Doch dann packt die Handlung sie plötzlich und in der zweiten Hälfte kann sie nicht mehr wegschauen. König Richard III. begleitet sie in Gedanken aus dem Theater nach Hause und wird zu einer wahren Besessenheit. Philippa ist von Shakespeares Darstellung nicht überzeugt, da sie es wenig glaubwürdig findet, dass jemand nur aufgrund einer Behinderung so böse sein kann. Sie vertieft sich immer mehr in das Thema, bis sie die Entscheidung trifft, die sterblichen Überreste des fraglichen Königs ausfindig zu machen und ihm durch eine entsprechende Beisetzung unter dem königlichen Wappen posthum den ihm zustehenden Respekt als anerkannten König zukommen zu lassen. Das von ihm gezeichnete negative Bild schreibt sie, wie der Rest der Richard III Society, deren Gruppe in Edinburgh sie sich in einem Pub anschließt, der Tudor-Propaganda zu.
Es ist die Geschichte einer Amateur-Historikerin, die eine Entdeckung machte, welche unzähligen Forscher*innen vor ihr verborgen geblieben ist. Ebenso ist es die Geschichte eines zu Unrecht dermaßen in Verruf geratenen Mannes, der letztlich als rechtmäßiger König in die Geschichtsschreibung eingeht. König Richard III. erscheint Philippa dabei an den unmöglichsten Stellen, sie führt ganze Unterhaltungen mit ihm in der Gestalt des Schauspielers, welcher ihn in dem Stück, welches ihre Faszination ausgelöst hat, verkörpert hat. Gerade das lässt ihn aber lebendig werden und verleiht ihm eine Stimme, da so nicht nur über ihn gesprochen wird, sondern er auch selbst zu Wort kommt.
Dabei handelt es sich um einen klassischen Underdog-Film: Philippa ist von ihrem Ehemann getrennt, gemeinsam kümmern sie sich um die beiden Söhne. Im Job wird sie bei der anstehenden Beförderung übergangen, ihre chronische Erkrankung macht ihr immer wieder zu schaffen und sie kümmert sich um ihren Alltag, der aus Arbeit, Familie und Haushalt besteht. Niemand denkt, dass sie eine bedeutende wissenschaftliche Entdeckung machen könnte. Es sind vor allem die Männer in dieser Erzählung, die sie dabei immer wieder nicht ernst nehmen: ein überheblicher Professor, der sie vor dem ganzen Hörsaal als unqualifiziert darstellt, der Archäologe, den sie für die Grabung gewinnen möchte und der die „Kuchenlady“ anfangs erst mal abzuwimmeln versucht, oder ein schnöseliger Wissenschaftler, der ihren Ausführungen keinen Glauben schenkt.
Natürlich gewinnt sie aber auch Verbündete, die sie bei ihrer Suche unterstützen. Generell ist es sehr angenehm, dass Philippa als ruhige, eher zurückhaltende und höfliche Frau dargestellt wird, der ihre Familie wichtig ist und die eine gute Beziehung zu ihrem Ex-Mann pflegt, die aber trotzdem für ihre Sache einsteht und sich für ihre Überzeugungen stark macht. Es ist schön, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich während des Films zu einer Protagonistin entwickelt, die sich nicht einfach so übergehen lässt und sich den Respekt einfordert, der ihr zusteht. Ebenso verliert sie aber trotzdem nicht den Kontakt zu ihrem Gefühlsleben und hört weiter auf das, was ihr Bauch ihr sagt. Es gelingt ihr, sich gerade wegen ihres Gefühls bei den Ausgrabungen zu behaupten.
Währenddessen wird die Handlung immer wieder durch pittoreske Bilder der Innenstadt von Edinburgh ergänzt. Die Filmmusik passt sehr gut zum Film, sie ist heiter und energetisch, aber auch bisweilen ein wenig schwermütig. Der Unterton des Films ist jedoch durchgängig optimistisch und von einem leisen Humor durchzogen. Die Farben in den Bildern sind stets kräftig und recht bunt, dies passt zu dieser Geschichte, die generell sehr unglaublich und eigentlich eher wie ausgedacht anmutet, aber sehr gut. Insgesamt wirkt es wie eine unglaubwürdige Fantasie, die hier aber ganz realistisch Gestalt annimmt. Besonders sympathisch sind dabei die vielen exzentrischen Charaktere, etwa der Rest ihrer Gruppe der Richard III. Society.
Es ist ein Wohlfühlfilm, der die Zuschauenden bei einem äußerst unwahrscheinlichen Unterfangen mitfiebern lässt, während sie die Protagonistin auf ihrem Weg begleiten. Allerdings kommt die Universität Leicester in dem Film nicht so gut weg, gerade weil sie vor allem durch einen ehrgeizigen und teilweise zu sehr auf seinen Status bedachten Wissenschaftler vertreten wird, der einfach durch seine Haltung gegenüber der Protagonistin unsympathisch wirkt. Gleichzeitig sind es aber auch Wissenschaftler*innen, die Philippa bei ihrer Suche helfen, und die Grabung organisiert sie mithilfe ebenjener Universität. Dies führt zu einer Darstellung, die nicht allein in Schwarz und Weiß unterteilt, sondern eben auch zeigt, dass die Wirklichkeit irgendwo dazwischen liegt und bei einem solchen Fund natürlich viele Interessen (die Stadt, die Universität, die Wissenschaft…) zusammenkommen. Philippa bleibt auch ganz bodenständig weder Opfer der Widrigkeiten noch Heldin gegen alle Wahrscheinlichkeit, sondern eine Frau, die ihr ganz normales Leben lebt und zufälligerweise eine Faszination für einen Teilaspekt der englischen Geschichte entwickelt hat. Es ist einfach eine sehr schöne Geschichte, nach der man auch direkt in die Bibliothek und mehr über König Richard III recherchieren möchte.