In der ersten Szene werden die Zuschauenden mit einer weißen Szenerie konfrontiert, von der man zuerst nicht ganz weiß, ob es sich um eine Schneelandschaft oder einfach nur um Wolken handelt. Tatsächlich ist Letzteres der Fall, diese wird von dem Äußeren eines Flugzeuges durchbrochen, in dessen Fenstern sich die panischen und angstverzerrten Gesichter der Protagonist*innen des Films offenbaren. Es handelt sich um eine kleine Gruppe Fearless Flyers, die sich auf ihren Erfahrungsflug vorbereiten.
Der erste Teil des Films spielt in London, wo ein Kurs gegen Flugangst angeboten wird: die Fearless Flyers. Mit dazu gehören ein pessimistischer, älterer Schriftsteller mit Militärvergangenheit, eine alles dokumentierende Influencerin auf der Suche nach dem passenden Marketing für ihr Profil, ihr nerdiger Partner, der eine App entwickelt hat und Fliegen nur mithilfe von Alkohol aushält, eine ehrgeizige Geschäftsfrau mit neuer Beziehung, die ihre Angst bisher erfolgreich verheimlichen konnte, und ein unerfahrener und manchmal zu merkwürdigen Methoden greifender Kursleiter. Die eigentliche Kursleiterin kann aus nicht genannten Gründen bei dem Erfahrungsflug nicht mit dabei sein und lässt sich durch ihren Stellvertreter entschuldigen. Und so macht sich die bunt gemischte Truppe auf den Weg nach Island, wobei von Anfang an einiges schief geht und alle Teilnehmenden im Verlauf der Reise an ihren ganz persönlichen Rand des Nervenzusammenbruchs getrieben werden.
Visuell sind die Bilder sehr scharfkantig und kontrastreich, besonders als die Reisenden die tatsächliche Schneewüste in Island erreichen. Doch die Filmmusik passt nicht so ganz dazu, sie untermalt den idyllischen Ausblick unheilvoll. Dieser atmosphärische Kontrast wird dafür genutzt, die Angst der Teilnehmenden der wunderschönen Landschaft gegenüberzustellen. Generell sind das beim Humor die überzeugendsten Szenen des Films: Beispielsweise die starke Überzeichnung wie die nervösen und angespannten Teilnehmenden sich starr vor Angst durch den Londoner Flughafen bewegen, während um sie herum das ganz normale Gewusel des Flughafens stattfindet und Bilder von fremden Landschaften damit werben, dorthin zu reisen.
Gleichzeitig wird genau diese übertriebene Darstellung zu einer Schwäche des Films. Während es punktuell in manchen Szenen sehr gut funktioniert, sind andere, wie etwa als während des Fluges Turbulenzen auftreten, so stark überzogen, dass sie schon fast ein wenig klamaukartig anmuten. Dazu kommt, dass alle Teilnehmenden der Gruppe bis zum Ende des Films sehr blass und oberflächlich bleiben. Es wird sehr viel mit Klischees gearbeitet, ohne, dass die Menschen dahinter wirklich an Tiefe gewinnen. Gerade das wäre aber bei den wenigen Teilnehmenden durchaus möglich gewesen und hätte ihnen mehr Charakter verliehen. Das Potential hierfür wäre auch auf jeden Fall vorhanden gewesen, doch stattdessen bleiben sie flach und manche Witze auch vorhersehbar.
Angst ist etwas Irrationales und zutiefst Menschliches. Sie ist manchmal einfach da, ohne, dass sie sich erklären lässt. Doch diese Angst wird hier nie wirklich gründlich einmal unter die Lupe genommen. Dabei hätte genau das zu mehr Verständnis für die Teilnehmenden führen können, man hätte in manchen Situationen mit ihnen statt plump über sie und die Situationskomik lachen können.
Zudem war es ein wenig schade, dass einige Handlungsstränge nicht auserzählt wurden. Ihnen wurde zwar ein Ende verliehen, doch dies wirkte teils abrupt und nicht wirklich passend. Zum Beispiel bei dem Influencer-Pärchen, dessen eigentlicher Konflikt nie ausgetragen und aufgelöst wird. Hier kommt es stattdessen zu einer Art Deus-ex-Machina-Lösung.
Manche Handlungselemente sind zudem schlicht unlogisch. Etwa hat der Schriftsteller, der während des gesamten Films stets unheilvolle Statistiken verkündet, plötzlich seine Angst vor dem Fliegen scheinbar verloren, ohne, dass diese Wandlung seines Charakters je beleuchtet oder gezeigt wurde. Dafür ist es ein sehr netter Einfall, dass die eigentlich ohne Probleme fliegende Influencerin nach dem grauenvollen Erfahrungsflug plötzlich am Fliegen und der damit verbundenen Sicherheit starke Zweifel entwickelt.
Insgesamt ist es ein kurzweiliger Film mit sehr hübschen isländischen Landschaftsaufnahmen. Man kann ihn sich gut einmal anschauen, allerdings ist es kein Film, der einem länger in Gedächtnis bleibt, und auch die Figuren selbst berühren nicht wirklich und bleiben bis zum Ende seltsam distanziert. Dafür gibt es viel Schnee, skurrile Charaktere und einen etwas anderen Island-Urlaub, wo man übrigens auch, wie einer der Teilnehmenden passend bemerkt, ganz wunderbar mit der Fähre hinfahren kann.