Es ist eine Geschichte vom Suchen und Finden, Sich-Verpassen und Zufällig-am-richtigen-Ort-Sein. Der Film beginnt ganz unpoetisch in einem Supermarkt, auf dem Band von der Kasse türmen sich eingeschweißte Plastikverpackungen mit rohem Fleisch, die am Ende alle zusammengeschoben werden und ein unordentliches Sammelsurium bilden, während ein Kunde bezahlt. Die Stimmung ist ein wenig trist, die Mitarbeiterinnen stehen vor dem Kühlregal und versehen die abgelaufenen Waren mit einem reduzierten Preis.
Eine dieser Mitarbeiterinnen ist Ansa, die anschließend Feierabend macht und sich in der Umkleide gemeinsam mit ihren Kolleginnen umzieht. Währenddessen sprechen sie kein einziges Wort. Danach begibt sie sich in ihre Wohnung und hört dem Radio zu. Das Radio zieht sich durch den gesamten Film, aus ihm tönen die unheilvollen Nachrichten vom Ukraine-Krieg. Immer wieder erfährt man Bruchstücke, die gewissermaßen die Hintergrund-Kulisse zum Geschehen bilden. Egal, wie sehr Ansa es versucht, indem sie immer wieder den Sender wechselt oder das Radio ausschaltet, sie vermag es nicht, den Krieg aus ihrem Leben auszusperren. Mit ihrem Alltag geht es wie gewohnt weiter, doch die Ereignisse des Weltgeschehens überschatten auch ihr Leben und bedrücken sie. Einen Krieg kann man nicht so einfach durch das Betätigen der Ausschalt-Taste aus der Realität verbannen.
Auf der anderen Seite ist da Holappa, der sich nicht vom Alkohol fernhalten kann und nach Feierabend mit einem Kollegen gerne in die Kneipe geht. Auch sein Job erfüllt ihn nicht, und Regeln bedeuten ihm nicht besonders viel. In einer der ersten Szenen, die ihn zeigen, sitzt er auf einer Bank vor einem „Nicht Rauchen“-Schild und zündet sich eine Zigarette an. Sein Kollege weist ihn darauf hin, dass diese ihn noch ins Grab bringen. Er erwidert, dass sein Staublunge das schon erledigt, bevor die Zigaretten die Chance dazu haben.
Generell sind es sehr gestelzte Dialoge, die von den Charakteren ohne jegliche Mimik gesprochen werden. Genau das macht aber den großen Charme des Films aus. Die Bilder könnten auch Fotografien sein, oft sind es lange Momentaufnahmen, in denen Protagonisten fast bewegungslos und wunderbar ästhetisch im Augenblick gefangen verharren.
Ein solcher Moment ist etwa die erste Begegnung von Ansa und Holappa in einer Karaoke-Bar. Sie schauen sich an und in diesem Blick ist trotz des spartanischen emotionalen Ausdrucks so viel zu lesen. Wenig später begegnen sie sich erneut, und verabreden sich schließlich für einen Kinobesuch. Ihre Liebesgeschichte wird mit allen Hürden und schönen Momenten sehr still erzählt.
An keiner Stelle kommt es zu lauten Liebesbekundungen oder ausdrucksstarken Liebesbeweisen. Immer wieder kommt der Alltag dazwischen und sie kommen sich allmählich näher. Es ist eine realistische Liebesgeschichte, die gleichzeitig gleich von Beginn an eng mit dem Kino verwoben ist. Ich fand es sehr schön, den beiden dabei zuzusehen, wie sie umeinander kreisen.
Die Farben des Films sind sehr bunt. Am Ende ist es Herbst und die titelgebenden Blätter haben sich auch bereits verfärbt. Aber alles in dem Film ist so wunderbar farbenprächtig. Die Schranktüren in Ansas Küche sind blau gestrichen, mit jeweils roten Türknäufen. Ansa trägt einen blauen Mantel und eine rote Tasche. Die Vorhänge in ihrer Wohnung schimmern orange. Ein rotes Sofa vor dem gelben Lichtschein der Lampe.
Gleichzeitig ist auch die Einsamkeit der beiden Menschen Thema des Films. Als Ansa Holappa zum Essen einlädt, geht sie im Laden einen zweiten Teller einkaufen, da sie nur genug Geschirr für sich alleine hat. Ebenso ist da Holappa, dessen engster Freund und Kollege nur seinen Nachnamen kennt.
In dem Film passiert nicht so viel, und gleichzeitig geschieht eine ganze Menge. Der Alltag ereignet sich, und am Ende ist alles anders als am Anfang. Es ist eine sehr schön erzählte Liebesgeschichte, die einen in den Bann zieht und mit hübsch inszenierten Bildern überzeugt. Allein für die Dialoge würde es sich schon lohnen, den Film ein zweites Mal anzusehen.
Der Film ist aus der Zeit gefallen, die Protagonisten sehen sich Jim Jarmuschs „The Dead don`t die“ an, während es Technikgeräte aus allen möglichen Jahrzehnten gibt, und am Kino auf Plakaten die verschiedensten Filme aus verschiedenen Jahren angepriesen werden. Trotz all dieser angedeuteten Zeitebenen schaffen Ansa und Hoppala es, sich zur richtigen Zeit zu treffen. Es ist einfach schön, ihnen dabei zuzusehen, und man verlässt das Kino mit einem guten Gefühl.