Der Film beginnt mit einer Art Kaleidoskop. Die Zuschauenden sehen Bruchstücke aus den Leben verschiedener Menschen am Silvesterabend, die fröhlich dem neuen Jahr entgegenfiebern. Feuerwerk erhellt den Himmel über der riesigen Stadt mit bunten Funken, als willkürlich Schüsse in der Nacht fallen, die jedoch niemand hört.
Die Streifenpolizistin Eleanor Falco befindet sich zu dem Zeitpunkt in einem Restaurant, ein frustrierter Besitzer möchte einen Gast des Lokals verweisen. Müde hört sie sich die Geschichte an, als die Einsatzkräfte zu dem Schusswechsel gerufen werden. Sie gehört mit zu den Ersten, die am Geschehen eintreffen. Und sie ist die Einzige, die auf die Idee kommt, die panisch durcheinanderlaufenden Menschen zu filmen, da ja auch der Täter mit darunter sein könnte. Es ist dieser Einfall, der sie auf den Radar von Lammark, dem ermittelnden FBI-Agenten, bringt, und so beginnt die Suche nach dem Verantwortlichen der Tat.
Eleanor Falco ist eine Einzelgängerin, das wird gleich in den ersten Momenten des Films deutlich. Sie hat keine Angst und kämpft verbissen für das, was sie für richtig hält. Dafür rennt sie auch mehrere Stockwerke ohne Atemmaske in ein Hochhaus hinein, das von Rauch vernebelt ist. Sie schaut in den Abgrund und nimmt in Kauf, dabei mit hinab gerissen zu werden.
Lammark auf der anderen Seite ist ebenfalls ein Einzelkämpfer. Er weiß um die politischen Gegebenheiten und Ränkespiele und tut sich schwer damit, Anderen zu vertrauen. Dafür handelt er bedächtig, immer die Nachwirkungen seines Handels bedenkend und abwägend. Auf den ersten Blick scheinen sie nicht so richtig zusammenzupassen. Aber im Laufe des Films entwickelt sich hieraus nicht nur eine berufliche sondern auch freundschaftliche Beziehung. Lammark lädt Eleanor zum Abendessen bei seinem Partner ein und sie philosophieren in einem gemütlichen Wohnzimmer über das Leben.
Der Film erinnert ein wenig an Filme wie „Das Schweigen der Lämmer“ in den 90ern. Baltimore wird als düstere Stadt präsentiert, das Wetter ist schlecht, der Winter ist kalt, die Menschen sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, niemand kann einen Hinweis auf denjenigen geben, der hinter den mysteriösen Morden steht. Druck von oben gibt es ebenfalls und die verschiedenen Einheiten konkurrieren eher miteinander, als dass sie sich unterstützen. Eleanor Falco schwimmt verloren im Schwimmbad ihre Bahnen, während sich alles um sie herum dreht und immer verworrener wird.
Die Ermittlungen gestalten sich zäh, irgendwann kommen sie nicht mehr weiter. Die Kamera bleibt gerne respektvoll auf Abstand und zeigt das Geschehen auch aus der Vogelperspektive. Der Soundtrack unterstreicht die triste und düstere Atmosphäre mit unheilvoller Musik. Teilweise sind die Farben so blass, dass die Menschen sich darin verlieren, etwa als sie im Schnee Müllberge nach einem entscheidenden Hinweis durchwühlen.
Natürlich bringen die Ermittelnden auch ihre eigenen Dämonen mit. Und gerade die sind es, die ihnen auf der Suche weiterhelfen und gleichzeitig aber auch gefährlich werden können.
Den ersten Teil des Films fand ich sehr gelungen und habe das Geschehen gespannt verfolgt. Unvorhersehbar blieb der Film dann auch bis zum Ende, allerdings erschien mir nach der gut aufgebauten Spannung der ersten Hälfte die Auflösung fast ein wenig banal. Der letzte Teil des Films hat mich nicht wirklich überzeugt, ich fand, dass hier ein wenig mit Klischees gearbeitet wurde und Manches einfach unglaubwürdig wirkte. Es hat mich gestört, dass es am Ende den Anschein hatte, dass sich die Ereignisse so ereignen, weil der Filmemacher das gerne so wollte und es dem Ganzen einen intellektuellen Anhauch gibt, und nicht, weil die Ereignisse sich von allein logischerweise so zu einer Geschichte zusammengefügt hätten.
Trotzdem würde ich mir den Film auch noch einmal anschauen und kann ihn für alle, die gerne Filme in diese Richtung sehen, sehr weiterempfehlen. Die Atmosphäre überzeugt und ich mochte die beiden Protagonisten. Zudem ist es ein Film, der auch nach dem Kinobesuch noch eine Weile nachhallt.