Es sind auf jeden Fall unheimlich schöne, nostalgisch anmutende Bilder, die „A Haunting in Venice“ einrahmen. Tauben, und Gondeln, und ein wenig verfallene Häuser, deren Prunkzeit schon ein paar Jahre zurückliegt. Selbst 1947 schon, der Zeitpunkt, zu dem der Film spielt. Es ist Herbst und der berühmte Meisterdetektiv Hercule Poirot macht einen Morgenspaziergang durch die Stadt, auf welchem er, der sich gerade in Venedig zur Ruhe gesetzt hat, von unzähligen Belagerern verfolgt wird, die sich seine Hilfe bei diesem oder jenem Fall wünschen. Doch Hercule Poirot weist sie alle ab.
Stattdessen frühstückt er gemütlich auf seiner Dachterrasse, bis die Idylle durch eine alte Bekannte gestört wird. Widerwillig lässt er sich von der Schriftstellerin dazu überreden, einer geplanten Séance am Vorabend von Allerheiligen beizuwohnen. Natürlich verläuft diese anders als gedacht, mysteriöse Dinge ereignen sich und am Ende stirbt das Medium angeblich durch die Geister der das Gebäude einst bewohnenden und während der Pest dort eingesperrten Kinder.
Ein Sturm zieht auf und in der Folge regnet es sehr viel. Generell passt dieser Regen sehr gut zu Venedig und der Atmosphäre des Films. Diese gestaltet sich düster, und das spiegelt sich auch in den Farben der verwendeten Bilder wider. Der Meisterdetektiv und die Anderen schließen sich in dem alten Palazzo ein und eine Spurensuche beginnt, die am Ende mehr als ein Geheimnis zutage fördern wird.
Es ist ein guter Film für den Herbst, wo die Tage allmählich länger werden und die Dämmerung immer früher am Nachmittag schon hereinbricht. Visuell überzeugt der Film mit Momentaufnahmen, die an alte Fotografien erinnern. Sie fügen sich zu einem etwas altmodischen Gesamtstück zusammen, das ich mir sehr gerne angeschaut habe.
Venedig ist auch einfach eine sehr hübsche Stadt. Verlassene Brücken, die sich über das grünliche Wasser erheben. Gondeln, die vergessen auf dem Wasser schwanken. Dächer und Balkone vor einem blauen Meer. All diese Bilder, die man mit der versinkenden Stadt verbindet, greift der Film in einer sehr schönen Art und Weise auf.
Ob es Venedig zu dieser Zeit realistisch porträtiert? Sind die Gassen am Vorabend zu Halloween dort teilweise so verlassen, wie es im Film wirkt? Diese Fragen vermag ich nicht zu beantworten, sind für den Filmgenuss jedoch nicht wirklich relevant. Auch wenn der Film und die geschaffene Atmosphäre ein Fantasie-Konstrukt sind, das eher mit Vorstellungen und hübschen Bildern statt mit der Realität arbeitet, so spielt dies keine Rolle, da es sich bei der Verfilmung ohnehin um eine Fiktion handelt. Diese verwandelt sich hier nun in eine visuell sehr überzeugende Fiktion. Vorlage war wie bei den bereits zwei zuvor verfilmten Werken mit Hercule Poirot wieder ein Roman von Agatha Christie.
Hauptthema ist vor allem der Umgang mit dem Übernatürlichen. Dieses macht sich immer wieder durch lautes Pochen im Haus bemerkbar. Als Zuschauerin schrecke ich jedes Mal ein wenig zusammen, doch das Unheimliche wirkt gerade durch das Nichtzeigen und Andeuten sehr gespenstisch und bedrohlich. Ein richtiges Gruselgefühl kommt beim Schauen jedoch an keiner Stelle so wirklich auf.
Es ist kein Film, der nachklingt, oder der die wirklich großen Fragen des Lebens stellt, oder sich dem Übernatürlichen auf eine Weise nähert, die man noch nie zuvor gesehen hat. Aber er ist solide und man kann ihn sich gut anschauen und fühlt sich dabei gut unterhalten. Auch das Rätsel bleibt spannend und ist gar nicht so leicht aufzudröseln. Was mir jedoch am besten am Film gefallen hat, ist die Atmosphäre.
Die Filmmusik passt zu den Bildern, auch sie ist düster und ein wenig unheimlich. Sie untermalt die Handlung sehr gut. Während sich die Ereignisse drinnen verdichten, schwillt draußen der Sturm bedrohlich an. Immer mehr Regen prasselt auf den Palazzo hernieder.
Nach den zwei anderen Filmen (Murder on the Orient Express & Death on the Nile) merkt man deutlich das Schema, nach dem der Film funktioniert. Trotzdem ist der Film gut gemacht, lediglich Poirots Schnurrbart ist längst nicht mehr so imposant wie in den früheren Verfilmungen.
Insgesamt hat sich der Film gelohnt, genau das richtige für die allmählich kälter werdende Jahreszeit und das immer näher rückende Halloween.